Die Gissener Auswannerungsgesellschaft

Haut gedd’s dè zwäde Dääl voo „Edds foahrn merr… Ewwersee“: die Gissener Auswannerungsgesellschafd. On? Wie eas?

Heute präsentieren wir den zweiten Teil unseres Podcasts „Jetzt fahrn wir… Übersee“, Teil 2: Aufbruch in die Freiheit. Von 500, die auszogen, um ihren eigenen Staat zu gründen. Ein Beitrag über die Gießener Auswanderungsgesellschaft und die Emigration aus politischen Gründen. Kommentare willkommen.

Today, we present the second part of the German version of our podcast „Now we go… overseas“: the Gießen Emigration Society. Comments welcome.

Best wishes, alles Gute, alles Gurre,

Pauls Monika

Ausblick. Wie heißen die anderen vier Teile unseres Podcasts „Jetzt fahrn wir… Übersee“ und worum geht es in den einzelnen Beiträgen?  Teil 3: Schiffszwieback und Captain’s Dinner. Wie eine Fünfjährige und ein Siebzehnjähriger aus Hessen in zwei verschiedenen Jahrhunderten ihre erste Seereise erlebt haben. Ein Beitrag über Kapitän Edmund Badenhausen aus Melsungen und Ruth Stern Gasten aus Nieder-Ohmen. Teil 4: Heimat fern der Heimat:  Aus Emigration wird Immigration. Wie Hessinnen und Hessen im 17., 18. und 19. Jahrhundert zur Geschichte der USA mitgeprägt haben. Teil 5: Im Schein der Fackel von Lady Liberty. Ab 1892 müssen sich Einwanderinnen und Einwanderer auf Ellis Island den Fragen der Beamten stellen. Weitere Beiträge über die hessische Immigration in die USA vor allem ab dem späten 19. Jahrhundert, mit Kurzbiografien, Szenen einer zeitgenössischen Reportage des Reisejournalisten Heinrich Lemcke und gesetzlichen Regelungen. Teil 6: Willkommen oder nicht willkommen? Eine bange Frage. Wie die Einwanderungsbestimmungen im Laufe der Zeit verschärft worden sind. Und das Ganze zum Nachlesen: Das deutsche und das englische Manuskript werden von uns veröffentlicht.

Wie dè Weander èmo Ullaub mache deed

Dè Muundoag hodd merr Endesche Sabine geschreawwe, sie hädd èmo è Geschichd oogefangge ewwer dè Weander, der Ullaub gemoachd hadd. Ob ech med demm Eanfall woas oogefangge kennd. On doas huh ech merr nit zwämo saa leasse, nit off Huuchdoidsch on nit off Pladd. Om selwe Doag huh ech offem Wääg voo dè Ärwed heem enn Kabbudschino gedrongge on mech droo gesassd. On hieh kimmdse, die Geschichd, die mir dèzu eangefann eas. Gewidmed easse dè Sabine. On wer wääs, velläichd schbenndse dè Foare enn Doag äifach wäirer.

Am Montag hat Sabine mir geschrieben, dass sie mal eine Geschichte angefangen hat über den Winter, der Urlaub gemacht hat. Ob ich mit der Idee etwas anfangen könnte. Und das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen, nicht auf Hochdeutsch und nicht im Dialekt. Am selben Tag hab ich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause einen Cappuccino getrunken und mich dran gesetzt. Und hier kommt sie, die Geschichte, die mir dazu eingefallen ist. Gewidmet ist die Sabine. Und wer weiß, vielleicht spinnt sie den Faden eines Tages einfach weiter.

On Monday, Sabine wrote me a mail that she had once begun a story about the winter on holidays. If I could write a fairy tale inspired by that. And I didn’t need to be told twice, neither in High German nor in dialect. The same day, I drank a cappuccino on my way home from work and started writing. And here it is, the story that came to my mind. It is dedicated to Sabine. And who knows, maybe she is writing a follow-up one day.

Die Melodie eas frai nooch „Winter ade“, die Melodie ist frei nach „Winter ade“, it is a coversong on „Winter, good bye“, an old children’s song. Die Stille am Ende der Aufnahme könnt Ihr mit Erinnerungen an den Winter füllen.

Best wishes, alles Gurre, alles Gute,

Pauls Monika

È poar Woadde:

Joahr – Jahr, year. Weander – Winter, winter. Friehling – Frühling, spring. Sommer – Sommer, summer. Hirbsd – Herbst, autumn. Die Holl – Frau Holle, the Holl from a fairy tale of the brothers Grimm and from ancient legends, the one who lets it snow.  Bedder – Betten, beds. Ullaub – Urlaub, holidays. Schaffe wie enn Oss – schuften wie ein Ochse, to work very hard, like an ox. Duh derr langsam – mach langsam, take your time. Es jeechd dech doch käis – es jagt dich doch niemand, nobody is hunting you. Ärwenn fier zwä – arbeiten für zwei, work as much as two people. Bai Zaire – bei Zeiten, in time.  Niddemo Aisplomme winn sè noch huh – nicht einmal Eisblumen wollen sie noch, they don’t even want iceflowers any more. Doa mächd die Ärwed goar kenn Schbass mieh – da macht die Arbeit gar keinen Spaß mehr, work isn’t fun any more. Ewwerschdonne – Überstunden, overhours. Ech kann’s nit mieh med oogesäih – ich kann’s nicht mehr mit ansehen, I can’t stand to witness that anymore. Laangk gudd – lange gut, meint: gut genug, good enough. Ziehbiaschd – Zahnbürste, tooth brush. Die Weald gidd nit gläich inner, wann du oachd Doag Ullaub mächsd – die Welt geht nicht gleich unter, wenn du eine Woche Urlaub machst, the world will not be in ruins if you go on holidays for a week. Wolgge – Wolken, clouds. Schnie – Schnee, snow. Reeche/Raa – Regen, rain. Rheen – Rhön, Rhön mountains. Schie, dess dè dech aach èmo blegge leassd – schön, dass du dich auch mal wieder blicken lässt, long time no see.

Ach joa, on ech huh aach noch è huuchdoidsch Gedichd ewwer dè Weander geschreawwe – wu ech schuh mo droo woar.

Hinter Winter
war der
Herbst
oder war der
vor dem
Winter?
Frühling sagt:
Was du schon
färbst –
meine Farben
lieben
Kinder!

 

Es Muhbleedche on dè Rungge

Ean insè Familje kaand merr käis, awwer es gobb welche: Muhbleedche sai dinne Schdegger Bruud. On es Geechedääl voo emm Rungge. Äi Schdegg ewwern Lääb, doas woar fier è Keand gaans schie woas sè käwenn. Awwer leassd’s ouch verzehn. Woas fier è Märche voo dè Brirrer Grimm dudd dissmo dreanschdegge? On wer eas sosd noch gemeend?

In unserer Familie kannte man keins, aber es gab welche: Muhbleedche (Dialekt) sind dünne Scheiben Brot. Und das Gegenteil eines Rungge, einer dicken Scheibe. Ein Stück Brot übern Laib, das war für ein Kind ganz schön was zu kauen. Aber lasst es euch erzählen. Welches Märchen der Brüder Grimm steckt dieses Mal drin? Und wer ist sonst noch gemeint?

In our family we did not use the word Muhbleedche, the dialect word for a thin slice of bread. It is the opposite of a Rungge, a thick slice. Such a slice meant a lot of chewing to a child. But listen to the story. Which fairy tale of the brothers Grimm is included this time? And who else could be meant?

Das Lied ist improvisiert, der Text auch. The song is an improvisation, the lyrics as well. Es Lied eas merr eangefann, wie ech’s geschbield huh.

Alles Gurre, alles Gute, all the best

Pauls Monika

E poar Vokabeln:

Die eenzich Dochder voo faine Loid – die einzige Tochter von armen Leuten, the only daughter of people that were a bit better. Aald Schaisel – Schimpfwort für Frauen, mocking word for women. Gowwel med dè verbochene Zingge – Gabel mit den verbogenen Zinken, fork with deformed teeth. Auer fearchderlech Dommhääd – unsere fürchterliche Dummheit, our horrible dumbness. Wolld naut merrer sè duh huh – wollte nichts mit ihr zu tun haben, did not want to have contact with her. Geflaand – geweint, cried. Gerunggeld on gesirweld – es wurden große Stücke abgeschnitten, abgesäbelt, big slices were cut. Degg – dick, fat. Wann dè zugenomme hosd, säisde schdärger worrn – wenn du zugenommen hattest, warst du stärker geworden (dick war stark), if you had gained weight, people said that you have become stronger (fat). Fai Verwaandschafd – feine Verwandtschaft, noble relatives. Schubbkasde – Schublade, drawer. Dois – draußen, outside. Die Bach – der Bach, the little river. Wiss – Wiese, meadow. Gesäi – gesehen, seen. On wann sè nit innergangge sai – und wenn sie nicht untergegangen sind, and if they did not sink.

Dè Abbelkroddse

Es Märche, doas ech Ouch haut verzehn well, eas drai Mannsloid gewidmed: memm Gruusonggel, Schelde Willem,  der eam Obst- on Goaddebauveräi woar, emm Egon Brückner, der noochem Krigg ean Owenglie naue Woazzenn geschloo, die Äbbelbeem ean saim Goadde geheechd on geproffd on è Buch („Mein Leben“,  mai Läwe) heannerläasse hodd, onnem Adrian Diel, emm Dogder, der 1756 ean Gloarebach geburn woar on 1839 ean Diez oo dè Lahn geschdorwe eas – wu joa viel schbeerer die Johanna Lamm („Das Türchen“, es Dierche, häsdes Buch voo ihrer Dochder Ruth Stern Glass Earnest) voo Owenglie heangefraid hadd. Dè Diel hadd die Äbbelkunde erfonne. On hadd aach è poar Beannbeem, aach wann’s ean memm Gedichd, frai nooch Fondane, annerschd klingge dudd. Kinsdleresch Fraihääd.

Das Märchen, das ich Euch heute erzählen will, ist drei Männern  gewidmet: meinem Großonkel Wilhelm Scheld, der im Obst- und Gartenbauverein war, Egon Brückner, der nach dem Krieg in Ober-Gleen neue Wurzeln geschlagen, die Apfelbäume in seinem Garten gehegt und gepfropft und auch ein Buch („Mein Leben“) hinterlassen hat, und Adrian Diel, einem Arzt, der 1756 in Gladenbach geboren war und  1839 in Diez an der Lahn gestorben ist- wohin ja viel später Johanna Lamm („Das Türchen“ heißt das Buch ihrer Tochter Ruth Stern Glass Earnest) aus Ober-Gleen geheiratet hatte. Diel hat die Apfelkunde, die Pomologie, gegründet. Und er hatte auch ein paar Birnbäume in seinem Garten, auch wenn es in meinem Gedicht, frei nach Fontane, anders klingen mag. Künstlerische Freiheit.

The fairy tale that I want to tell you today, is dedicated to three men: to my greatuncle, Wilhelm Scheld, who had been in the association of garden and fruit cultivators, Egon Brückner who set new roots in Ober-Gleen after the war, took care of his apple trees in his garden and who wrote a book about his life („Mein Leben“ ), and Adrian Diel, a physician, born in Gladenbach in 1756, died in 1839 in Diez upon the Lahn  where Johanna Lamm (her daughter’s autobiographie is titled „The Gate“) from Ober-Gleen had lived after her marriage, much later. Diel has founded the science of pomology. And he had some pear trees in his garden, as well, though it sounds a bit different in my poem, inspired by Fontane. The freedom of art.

The song is to the melody of „Whisky in the Jar“. Das Lied habe ich zur Melodie von „Whisky in the Jar“ geschrieben. Es Lied eas off die Melodie voo „Whisky in the Jar“.

È poar Woadde:

Aale Soadde – alte Sorten, old kind of apples. Obabbe – festkleben, to clue. Keann – Kinder, children. Olangge – anfassen, to touch. Käi Uhrn – keine Ohren, no ears. Schirrenn – schütteln, to shake. Riddenn – rütteln, shake hard. Enn Baan immache – einen Baum fällen, to timber. Fann läasse – fallen lassen, to let oneself drop. Woas Besonnesch – etwas Besonderes, something special. Doas muss merr prowierd huh – das muss man probiert haben, you should taste that. Porr – Pfarrer, priest. Kemm hodd’s geschmoachd – keinem hat es geschmeckt, nobody liked it. Ims Verbladdse nit – ums Verplatzen nicht, no way. Wie doas schmägge dudd – wie das schmeckt, how that tastes. Hodd’s derr die Schbroach verschloo – hat es dir die Sprache verschlagen? Did it make you speechless? Edds scheggdsemm – jetzt reicht es ihm, now he has enough. Ruud olaafe – rot anlaufen, to blush. Du kläiner Kroddse – Schimpfwort für ein unartiges Kind (wörtlich: Du kleines Apfelkerngehäuse), mocking word for a child that doesn’t obey. È gaans anner Enn – ein ganz anderes Ende, a completely different end.

Edds foahrn merr… Ewwersee! Aus dè Nuud naus nooch Amerigga

New York eam schbeere 19. Joahrhonnerd.

Haud gedd’s woas sè faiern on schdadds emm Märche è gudd Schdonn woahre Geschichde fier die Uhrn. Mir huh hieh ean Breme oo memm Kechedesch geseasse on huh geläse on geläse on on geläse on  offgenomme, on ech huh die Offnohme geschnerre on sesomme geriehrd, desser woas sè hirrn kridd: „Edds foahrn merr… Ewwersee!“ Dääl 1: „Aus dè Nuud naus nooch Amerigga. Hessische Laandesflichdiche eam 19. und 20. Joahrhonnerd“. On è kläi bess-che woas ausem Märche eas aach drean, on Mussigk on è bess-che Owengliejer Pladd. Auer Geschichdsveräi Lastoria, Bremen, dudd dèzu eanloare! Seggs Dääl komme nooch on nooch eans Nedds, jeed Monat enner. On baal gedd’s doas aach off Englisch.

Heute gibt es etwas zu feiern und anstelle eines Märchens eine gute Stunde lang wahre Geschichte(n) für die Ohren. Wir haben hier in Bremen über Monate immer wieder an meinem Küchentisch gesessen, viele Leute haben Texte gelesen, wir haben es aufgenommen, und ich habe die Aufnahmen geschnitten und montiert, damit ihr etwas zu hören bekommt: „Jetzt fahrn wir…Übersee!“ Teil 1: „Aus der Not heraus nach Amerika. Hessische Landesflüchtige im 19. und 20. Jahrhundert“. Und  ein kleines Stück aus einem Märchen ist enthalten, aber auch Musik und ein wenig oberhessischer Dialekt. Unser Geschichtsverein Lastoria, Bremen, lädt dazu ein! Sechs Teile gehen nach und nach online, jeden Monat einer. An der englischen Ausgabe wird noch gearbeitet.

We have a reason to celebrate today! Instead of a fairy tale, there is history, something authentic to listen to that will last about an hour. For months, we sat here again and again at my kitchentable and recorded what was read, and I have cut and combined the audios to be able to present the very first part of the German version of our podcast „Now we go… overseas! Out of need to America. Hessian migrants in the 19th and 20th Century“.  A little piece of a fairy tale is also included. Music and some Upper Hessian dialect, as well. Our historical society Lastoria, Bremen, invites you to this trip to history. Six parts will go online, one per month. And an English version will be available, too!

Best wishes, alles Gurre, alles Gute,

Pauls Monika

P.S.: Comments are always welcome. Kommentare sind immer willkommen. Wann dè woas dèzu saa widd, schräib geann enn Kommendaa.

P.P.S.: Ausblick. Wie heißen die anderen fünf Teile unseres Podcasts „Jetzt fahrn wir… Übersee“ und worum geht es in den einzelnen Beiträgen? Teil 2: Aufbruch in die Freiheit. Von 500, die auszogen, um ihren eigenen Staat zu gründen. Ein Beitrag über die Gießener Auswanderungsgesellschaft und die Emigration aus politischen Gründen. Teil 3: Schiffszwieback und Captain’s Dinner. Wie eine Fünfjährige und ein Siebzehnjähriger aus Hessen in zwei verschiedenen Jahrhunderten ihre erste Seereise erlebt haben. Ein Beitrag über Kapitän Edmund Badenhausen aus Melsungen und Ruth Stern Gasten aus Nieder-Ohmen. Teil 4: Heimat fern der Heimat:  Aus Emigration wird Immigration. Wie Hessinnen und Hessen im 17., 18. und 19. Jahrhundert zur Geschichte der USA mitgeprägt haben. Teil 5: Im Schein der Fackel von Lady Liberty. Ab 1892 müssen sich Einwanderinnen und Einwanderer auf Ellis Island den Fragen der Beamten stellen. Weitere Beiträge über die hessische Immigration in die USA vor allem ab dem späten 19. Jahrhundert, mit Kurzbiografien, Szenen einer zeitgenössischen Reportage des Reisejournalisten Heinrich Lemcke und gesetzlichen Regelungen. Teil 6: Willkommen oder nicht willkommen? Eine bange Frage. Wie die Einwanderungsbestimmungen im Laufe der Zeit verschärft worden sind. Und das Ganze zum Nachlesen: Das deutsche und das englische Manuskript werden von uns veröffentlicht.

 

Die zauwerhafd Krabbeläisd

È grie Krabbeläisd voo Owenglie, aus Gondesch Frieda ihrm Haus, eas nooch Breme gewannerd. On es eas è Märchefigur geworrn. Ean Breme sääd merr: Draimo eas Bremer Rächd. On Loid, die die Schdadd besiche, pagge dè Esel voo dè Schdaddmusigaande oo dè Virrerbäi on winsche sech woas. Dè Huudmacher aus dere Geschichd kennd enn Verwaande voo dè Nika sai, voo insè Nochberrsche, die 2023 geschdorwe eas on nit vergäasse weadd. Ihrn Voadder woar Huudmacher.

Eine grüne Hakenleiste aus Ober-Gleen, aus dem Haus von Frieda Grein, ist nach Bremen gewandert. Und sie ist eine Märchenfigur geworden. In Bremen sagt man: Dreimal ist Bremer Recht. Und Leute, die die Stadt besuchen, packen den Esel der Stadtmusikaten an den Vorderbeinen und wünschen sich was. Der Hutmacher aus dieser Geschichte könnte ein Verwandter von Nika Dunkel sein, unserer Nachbarin, die 2023 gestorben ist und nicht vergessen wird. Ihr Vater war Hutmacher.

A green hook molding from Ober-Gleen has come to Bremen. And is turned into a figure of a fairy tale. In Bremen you say: Three times is right in Bremen. And people who visit the town touch the two front legs of the donkey and make a wish. The hatter in this story could be a relative of Nika, our neighbor who died in 2023 and isn’t forgotten. Her father had been hatter.

Alles Gurre, alles Gute, best wishes,

Pauls Monika

È poar Woadde:

Grie – grün, green. Mehrzahl: Griene – grüne, green. Krabbe – Haken, hook/hooks. Henn – Hände, hands. Mids – Mütze, cap. Kabb – Kappe, cap. Zilinner – Zylinder, zylinder. Schdrohhuud – Strohhut, panama. Kobbdùch – Kopftuch, headscarf. Menner – meiner, mine. Der eas mir – der gehört mir, this one’s mine. Alsfeller Huudfabbrik Roggel – (ehemalige) Alsfelder Hutfabrik Rockel, former hatfactory Rockel in Alsfeld. Zängge – streiten, argue. Geflichd – geflüchtet, searched refuge. Enn Schaangk huh merr kenn – einen Schrank haben wir nicht (wörtlich: keinen), we have no wardrobe. Schlubb – Schleife, ribbon. Verkleinerungsform: Schlibbche – Schleifchen, little ribbon. Nicht zu verwechseln mit: Schlibber – Schlüpfer, slip. Virrerbäi – Vorderbeine, the front legs. On als fälldenn dè Huud voom Kobb – Und andauernd fällt ihnen der Hut vom Kopf (im Oberhessischen erinnert  der Klang – von als fälldenn –  an Alsfeld, weshalb beim Stadtjubiläum viele bunte Hüte die Fachwerkstadt zierten). A saying.

 

 

Auer firchderlech Dommhääd

Es scheggd schuh laangk. Awwer alsemo brouchd’s dè lessde Drobbe, demed es Fass aamo woas märgd. Es weadd demonsdrierd: Geeche rechds – on sesomme! Geeche Hass! Geeche Auer firchderlech Dommhääd! Hieh menn Baidroag, den ech eam Ogdower ean dè Blog geschdaald hadd. Ein Lied gegen den Hass.

Es reicht schon lange. Aber manchmal braucht es den letzten Tropfen, damit das Fass auch mal was merkt. Es wird demonstriert: Gegen rechts – und zusammen! Gegen Hass! Gegen Auer firchderlech Dommhääd (Unsere fürchterliche Dummheit, aber die Abkürzung funktioniert nur auf Oberhessisch)! Hier mein Beitrag, den ich im Oktober in den Blog gestellt hatte, ein Lied gegen den Hass.

Enough is enough. Sometimes it needs the last drop to make the barrel wake up. There will be manifestations: Against the rightwings – and together! Against Hatred! Against parties that are toxic to democracy! Here’s what I had put into the blog in October, a song against hatred.

Best wishes, alles Gurre, alles Gute,

Pauls Monika

https://monikafelsing.de/WordPress_03/?p=1130

Fleerermois eam Gloggetorm

Fleerermois gedd’s schuh said 50 Millione Joahrn. On wail’s als wingger Eansegde gedd, werrn aach die Fleerermois wingger. Ean Gloarebach wuhne ewwern Sommer 500 Flerrermois eam Gloggetorm eam Maddin sai Keach. Es woarn schuh mo drai Mo mieh. Die Keach eas äis voo 600 Hoiser, die dè Nabu ean Hesse ausgezächend hadd, wail sè fleerermausfroindlech sai. Sou wääd schdemmd die Geschichd, alles anner eas è Märche.

Fledermäuse gibt es schon seit 50 Millionen Jahren. Und weil es immer weniger Insekten gibt, werden auch die Fledermäuse weniger. In Gladenbach wohnen den Sommer über etwa 500 Fledermäuse im Glockenturm der Martinikirche. Es waren schon mal dreimal mehr. Die Kirche ist eines von 600 Häusern, die der Nabu in Hessen ausgezeichnet hat, weil sie fledermausfreundlich sind. So weit stimmt die Geschichte, alles andere ist ein Märchen.

Bats exist for 50 million years by now. And as there are less and less insects, the number of bats decreases, as well. In Gladenbach, 500 bats live in the belfry of the Martini church in summer. Their number has been three times as high in former times. That part of the story is true, the rest is a fairy tale.

Best wishes, alles Gute, alles Gurre,

Pauls Monika

È poar Woadde:

Fleerermaus – Fledermaus, bat. Fleerermois – Fledermäuse, bats. Fladdchern – flattern, fly like a butterly.  Hehl – Höhle, cave. Doa kannsde gugge bes ean die anner Woch – da kannst du bis in die andere Woche gucken. You have a great view.  Glogge loire – Glocken läuten, bells ring. Heannerlaand  – Hinterland (Teil von Hessen), a part of Hesse.  Emm Maddin sai Keach – Martinskirche, Martin’s Church. Dè Gloggetorm voom Maddin senner Keach – der Glockenturm der Martinskirche, the belfry of Martin’s Church. On doa haddsenn gefann – und da hat es ihnen gefallen, and they liked it there.  Gloarebach – Gladenbach (Gemeinde in Hessen), Gladenbach (town in Hesse). Medkreeje – mitkriegen, to realise. Doas gidd memm Doiwel zu – das geht mit dem Teufel zu, the devil is involved in this. . Ean dè higgsde Teen – in den höchsten Tönen, pitch sound. Ean Englaand, doas wossdese nit, woar doas sou: Wer Fleerermois eam Gloggetorm hadd, der haddse nit all oder nit all dè Raih nooch oder nit alle Dasse eam Schaangk. In England, da wussten sie nicht, war das so: Wer Fledermäuse im Glockenturm hatte, der hatte sie nicht alle oder nicht alle der Reihe nach oder nicht alle Tassen im Schrank. What they did not know: In England they said, someone who had bats in the belfry was crazy. Porr – Pfarrer, reverend.  Heh – er, he. Häh – wie bitte, beg you pardon. Hää – Heu, hay. Hieh – hier, here. Konne – Kerl, guy.  Ewwersassd – übersetze, translated. Leassen – lass ihn, let him go. Lissen – ließ ihn, did let him.  Verschdidd – versteht, understands. Doa fill dè Loid naut mieh ean – da fiel den Leuten nichts mehr ein. The people didn’t have an idea.

 

Es heannerschdèverreschde Haus

Haut musses èmo schweann gieh, wail ech schbeed droo sai. Käi laangk Viergeplänggel. Hieh kimmd es Märche voom hennerschdèverreschde Haus.

Heute muss es mal schnell gehen, weil ich spät dran bin. Keine langen Vorreden. Hier kommt das Märchen über das Haus, in dem das Hinterste zuvorderst kommt.

Today, I have to cut myself short as it is late. No long editorials. Here you have the fairy tale about the house that was upsite down or backward forward.

Best wishes, alles Gurre, alles Gute,

Pauls Monika

Die Sobbeschmäggenn

Schmeggd’s oder scheggd’s? Baim Äasse mächd’s enn Ennerscheed, ob merr Abbedidd hodd oder nit.

Schmeckt es oder reicht es? Beim Essen macht es einen Unterschied, ob man Appetit hat oder nicht.

Does it taste well or is it enough? When you are eating, it makes a difference if you’ve got appetite or not.

È poar Woadde:

Die Sobbeschmäggenn – die Suppenschmeckerin, a person who always critises and knows always. Die geangn off die Erbs – die ging ihnen auf die Erbse/auf die Nerven, she was driving them crazy. Ziehschmeazze – Zahnschmerzen, tooth ache. Die kann doch aanit koche – die kann doch auch nicht kochen, she can’t cook, either. Goschdech – garstig/frech, mean. Boirelches – Beurelches, ein oberhessisches Gericht, a traditional meal in Upper Hesse. Du deafsd awwer kemm saa, wer dè säisd on woas dè mächsd, sosd kimmsde ean Kerjer on nit ean die Kech – du darfst aber keinem sagen, wer du bist und was du machst, sonst kommst du in den Kerker und nicht in die Küche. You shall not tell anyone who you are and what you are doing, otherwise you will go to jail and not in the kitchen (by the way: Kitchen is the German slang word for jail, übrigens ist Kitchen das deutsche Slangwort für Gefängnis, bai se wäi: Kiddche eas è doidsch Woadd fier Kerjer, awwer eas käi Huuchdoidsch). Sauer Brieh – saure Brühe, ein Schlachteessen, das gewöhnungsbedürftig aussieht, a traditional, weird looking meal. Frankfoadder Grie Soos – Frankfurter Grüne Soße, a kind of Hessian pesto, made of seven herbs. Ech sai gewoahr worrn – ich bin gewahr worden, I have noticed. Sou kann ech nit ärwenn – so kann ich nicht arbeiten, I can’t work under these circumstances.