Die zwellef Elfe on die Schwoaddswoaddsel

Woas mächd merr, wann merr enn  dalendierde Mussigger zèm Noochberr hodd? È Märche, ean dem Mussigkinsdrumende vierkomme, awwer aanoch Yoga, wailer aach Yoga mächd. On feaddech eas die Geschichd voo dè zwellef Elfe on dè Schwoaddswoaddsel – oder doch ächendlech iaschd, wann heh è bess-che Mussigk dèbai gedoh hodd. Woadde merrsch ob!

Was macht man, wenn man einen talentierten Musiker als Nachbarn hat? Ein Märchen, in dem Musikinstrumente vorkommen, aber auch Yoga, weil er auch noch Yoga macht. Und fertig ist die Geschichte von den zwölf Elfen und der Schwarzwurzel – oder doch eigentlich erst, sobald er ein bisschen Musik beigesteuert hat. Warten wir’s ab!

What do you do if you’ve got a neighbour who’s a talented musician? A fairy tale with musical instruments, but also with yoga, as he is also practising that. And  the story about the twelve little elves and the salsify is ready- or, let’s say, it will be as soon as he has added a bit of music. Let’s wait for it!

È poar Woadde:

Soldoare – Soldaten, soldiers. Härresenn eans Loch geschdobbd – hätten sie ihn ins Loch geworfen, they would have put him in jail. Kaande – kannten, knew. Verschdeggen – verstecken, hide. Vichel – Vögel, birds. Heh sassd sich – er setzte sich, he sat down. Fleed – Flöte, flute. Geschonn – gescholten, scold.   Iewe – üben, train. Baam – Baum, tree. Fuchdich – wütend, angry. Simmelieren – nachdenken, think. Donggel – dunkel, dark. Äi Bäi – ein Bein, one leg. Nerschel – Kopf, head. Nit waggenn – nicht wackeln, don’t wobble. Teen – Töne, tunes. Enn schebbe Ton winn merr derr nochsäih – einen schiefen Ton wollen wir dir nachsehen, we will forgive you one wrong tune. Oo err siche – sie suchen (wörtlich: an ihr suchen), look for her. Wie merr doas Deangk haan dudd – wie man das Ding hält, how to hold this thing. Boarwess – barfuss, with bare feet. Keadds – Kerze, candle. Kadds – Katze, cat. On deed die Sonn griese – und grüßte die Sonne, and did greet the sun. Oadme nit vègäasse – Atmen nicht vergessen, don’t forget to breathe.

Eam Sonnelaand

Vier Joahrzehnde hodd merr Keann noch elläi ean Kur geschùchd. Haut gedd’s Bicher drewwer. Ech huh è Lied geschreawwe – ewwersch Sonnelaand. „Zum sonnigen Landl“ hiss das Haus, wu ech woar, on annern vier on noch merr. Ech woar noi. On seggs Woche worrn laangk uhne Dellefoon on Bèsuch voo deheem. Maggelech sai ech doa aanit worrn, sonnern huh obgenomme, aach wann sè ins gemäsd huh. Heemwieh hodd ins offgefräasse. Eam Sonnelaand.

Vor Jahrzehnten hat man Kinder noch allein in Kur geschickt. Heute gibt es Bücher darüber. Ich habe ein Lied geschrieben – übers Sonnenland. „Zum sonnigen Landl“ hieß das Haus, wo ich war, und andere vor und nach mir. Ich war neun. Und sechs Wochen waren lang ohne Telefon und Besuch von daheim. Fett bin ich da auch nicht geworden, sondern habe abgenommen, obwohl sie uns gemästet haben. Heimweh hat uns aufgefressen. Im Sonnenland.

In the Seventies, kids have been sent into rehab centers. Today you can read books about that. I have written a song about the land of the sun. „Zum sonnigen Landl“ was the name of the house I had been in, and others before and after me. I have been nine. And six weeks have been long without phone and visitors from home. I did not become fat, but lost weight, though they fed us and fed us and fed us. Homesickness has eaten us up. In the land of the sun.

Best wishes, alles Gute, alles Gurre,

Pauls Monika

È poar Woadde:

Dè Heggdigger

Alsèmo muss merr sech Zaid nomme, wann  merr ächendlech käi hadd. Dè Suse Oddo eas nit äifach wärer gefoahrn, sonnern hodd alsèmo dè Bulldogg ausgemoachd, wann emm äis eam Doaf ewwern Wäg gelaafe eas, on hodd è poar Minude geschwassd. Doa hodd sech dè Bilsegässesch Bernd droo erinnerd, wie merr Offnoahme gemoachd huh. Enn schiene Zuuch, meend heh.

Manchmal musst du dir Zeit nehmen, wenn du eigentlich keine hast. Otto Kirchner ist nicht einfach weitergefahren, sondern hat manchmal den Trecker abgestellt, wenn ihm jemand im Dorf über den Weg gelaufen ist, und hat sich ein paar Minuten unterhalten. Daran hat sich Bernd Schneider erinnert, als wir Aufnahmen gemacht haben. Ein schöner Zug, fand er.

Sometimes, you have to take your time when you have no time, really. There was a man in Ober-Gleen who did not just drive by if he met someone in the village, but stopped his tractor to chat for some minutes. One of our timewitnesses talked about this when we made audios. He had appreciated this attitude very much.

Alles Gurre, alles Gute, all the best,

Pauls Monika

P.S.: In das Märchen habe ich eine Strophe aus dem Lied über den brennenden Heuwagen eingefügt, das Endesche Kall gewidmet war, dem Schwager von Suse Oddo. Er hatte es einmal sehr eilig, mit der Ernte vorm Gewitter nach Hause zu kommen. Beinahe etwas zu eilig… Aber das ist eine andere Geschichte.

È poar Woadde:

Heggdigger – Hektiker, someone who is always in a hurry. Leassenn voo Loisel gewäse sai – lass ihn aus Leusel gewesen sein, let him have been from Leusel near Alsfeld. Auer – Uhr, clock. Med dè Aache ronn – mit den Augen rollen, to roll the eyeballs. Oogehaan – angehalten, made him stop. E Gesichd gemoachd wie sewwe Doag Räjewerrer – ein Gesicht gemacht wie sieben Tage Regenwetter, he made a face like seven rainy days. Aacheblegg – Augenblick, moment. Schwoare – Schatten, shadow. Oder wu sè sosd hier woar – oder wo sie sonst her war, whereever she was from. Woas mächsd du dann schuh hieh – was machst du denn schon hier, how come you’re here already. Doas woar schuh laangk hier – das war schon lange her, it’s been a long time. Mir misse heem – wir müssen heim, we have to go home. Ech komm nooch – ich komm nach, I will follow. Frieh genungk – früh genug, early enough. Gisse – Gießen. Geschuchd – geschickt, send. Auf, mir winn foadd – auf, wir wollen weg, let’s go! Hannoversch-Minne – Hannoversch-Münden. Reff – Reff (eine Art Rechen, der an die Sense gehört – und beim Heumachen nicht gebraucht wird). Duh derr langsam – mach langsam, slow down. Sinnich – vernünftig, ruhig, carefully.

 

 

Von Schdaddmussikaande und Stadtmusikanten

Es war und ist immer wieder… mittwochs Märchentag in meinem Blog Owenglie. Und jetzt nach einer kurzen, urlaubsbedingten Pause wieder. Wegen der Nachfrage nach den Manuskripten sind die Erzählungen außerdem seit Kurzem in zwei Taschenbüchern nachzulesen, und zwar sowohl im oberhessischen Original als auch in der hochdeutschen Übersetzung. Unser gemeinnütziger Geschichtsverein Lastoria hat auf je 248 Seiten Märchen und wahre Geschichten veröffentlicht, die seit 2023 hier im Blog zu hören sind: “Es woar èmo” und “Es war einmal”.

Guggema! Märchen und wahre Geschichten aus Hessen: das oberhessische Original in der Mundart und die Übersetzung.
Copyright: Lastoria e.V.

„Es war einmal eine Mundart, die war in Oberhessen deheem“, beginnt der Klappentext der Mundartfassung. „Irgendwann aber hörten die Leute auf, die Untertasse Bleedche und die Hakenleiste Krabbeläisd zu nennen. Immer weniger Eltern erzählten Kindern Geschichten, in denen ein Ruudkäbbche oder sewwe Roawe vorkamen.“ Beim Schreiben habe ich mich von den Grimms und Andersen inspirieren lassen, aber auch vom Oral-History-Projekt unseres Vereins, das 2020 mit der Auszeichnung „Vogelsberg Original“ bedacht worden ist, von aktuellen Ereignissen und Biografien.

All, die den Blog hie kenn, weasse nur sè gudd: Die erwachsenen-, jugend- und kindgerechten Geschichten sollen Lust auf den Dialekt machen und enthalten viel Wissenswertes über Hessen. Mal überwiegt der Ernst, häufiger aber der Humor, den wir gerade dann brauchen, wenn es ernst wird. Für mich war es nach den umfangreichen Recherchen der vergangenen zwölf Jahre und den zahlreichen Sachbüchern und Mundartliedern eine echte Abwechslung: Ich durfte meiner Fantasie freien Lauf lassen, auch musikalisch. On doas hodd Schbass gemoachd! Das gilt besonders für die Zusammenarbeit in unserem durchweg ehrenamtlichen Team: für die Buchgestaltung von Wolfgang Rulfs, Delmenhorst, die Mundartkorrekturen von Sabine Kirchner, Ober-Gleen, und die hochdeutschen von Justus Randt und Regina Dietzold, Bremen.

Geschrieben sind die Urfassungen im Owengliejer Pladd, der Mundart meines Heimatdorfes Ober-Gleen. Aber auch die hochdeutsche Übersetzung führt die Leserinnen und Leser quer durch den Vogelsberg und über Mittelhessen hinaus. Erwähnt werden unter anderem Ober-Gleen, Kirtorf, Arnshain, Wahlen, Maulbach, Appenrod, Dannenrod, Angenrod, Alsfeld, Lauterbach, Marburg, Gießen, Wetzlar, der Ebsdorfer Grund, Melsungen, Freienseen, Niederklein, Kassel, Rainrod, Wallenrod, Frankfurt am Main, Gladenbach, Diez an der Lahn und Darmstadt. Manche Orte, die ich nenne, haben einen Bezug zur Handlung, andere nicht. Ob sich jemand auf eine Geschichte einlässt, hängt ja nicht allein davon ab, wo sie spielt, aber es kann ein Anreiz sein. Nicht zu vergessen: In Hessen wird intensiv mit Märchen geworben. In vielen Ländern ein Welt sind sie ein wichtiges Stück der Erzählkultur, nicht zuletzt, weil sie Generationen verbinden. Und in hessischer Mundart werden selbst moderne Märchen urhessisch.

Einzelne Geschichten sind Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus den Projekten des Vereins gewidmet oder Menschen wie Kapitän Edmund Badenhausen aus Melsungen, Schmetterlingsfachmann Alfred Westenberger aus dem Taunus, Elsa Eislöffel aus Offenbach („Doas oarme Keand„/“Das arme Kind“), die in Hadamar ermordet wurde,  oder der Familie Roth aus Lauterbach („Ruuds Käddche on die Welf„/“Käthe Roth und die Wölfe“), die jüdischen Freunden und Bekannten in der Nazizeit geholfen hat. Das Märchen von einer, die sich fürchtete, dass das Wissen ausgehen könnte („Voo enner, die sech fiachde deed, desses Weasse ausgieh kennd„), ist zum 50. Geburtstag der Volkshochschule Vogelsberg entstanden. Auch die verhinderte Verkehrswende, die Natur, kulinarische Spezialitäten, traditionsreiche Berufe und Ortsuznamen, Krieg und Frieden, Liebe und Lügen, die Armut und die Sozialrevolution des 19. Jahrhunderts, Auswanderung und Einwanderung finden sich in den Märchen wieder. Und natürlich dürfen weder die Bremer Schdaddmussikaande noch die Bremer Stadtmusikanten fehlen.

Bebildert ist der Mundartband mit Fotos aus meinem Familienalbum, einem Porträt von Elfriede Roth aus Lauterbach und einem Foto von Elsa Eislöffel aus dem Archiv der Nieder-Ramstädter Diakonie. In der übersetzten Ausgabe sind sechs der nach der letzten Ausstellung in Oberhessen verschollenen Gemälde des aus Ober-Gleen stammenden Künstlers Bernhard Wald alias Faldon veröffentlicht. Es wäre ein kleines Wunder, wenn sie nach all den Jahren wieder auftauchten. Aber immerhin leben Märchen davon, dass Menschen trotz allem an das Gute glauben und auch in unwahrscheinlichen Fällen auf ein glückliches Ende hoffen. Das gilt nicht zuletzt auch für den Dialekt, weshalb der Klappentext des Originals mit den Worten endet: „Und wenn die Mundart noch nicht ausgestorben ist, dann lebt sie vielleicht auch noch morgen.“

Einen ehrenamtlichen Beitrag zum Erhalt des oberhessischen Dialektes leistet unser Geschichtsverein Lastoria seit 2012 mit Recherchen, Tonaufnahmen, Büchern, Online-Veröffentlichungen, vielfältigen Kooperationen und interaktiven Veranstaltungen.  Mittwochs ist weiterhin Märchentag im Blog mit neuen Geschichten off Pladd, die alle mit „Es woar èmo“ anfangen.

Kurzinfo:

Monika Felsing, „Es woar èmo, Oberhessische Mundartmärchen und wahre Geschichten“, 248 Seiten, 16 Euro, ISBN-13: 9783759713605, veröffentlicht bei Books on Demand (BoD) in Norderstedt, mit QR-Codes der Mundartaudios. „Es war einmal. Hessische Märchen und wahre Geschichten“, 248 Seiten, 16 Euro, ISBN-13: 9783759713490, veröffentlicht bei BoD, mit QR-Codes der Mundartaudios. Erhältlich sind die Bücher im örtlichen Buchhandel und beim Verlag. Die Honorare gehen an den Geschichtsverein Lastoria, Bremen.

 

 

Wellkomme oder nit wellkomme?

Haut end insenn Podcast „Edds foahnr merr… Ewwersee!“ off Doidsch: Dääl 6: Wellkomme oder nit wellkomme? È Froag, die Aaangsd mächd. Wie’s voom Oofangk voom 20. Joahrhonnerd oo schwiericher geworrn eas, ean die USA eansewannern.  Joa, sie kome, die miede, die Oarme, die geknechdede Masse, die sech dènooch sehne duh, frai sè oadme. Feannesse è nau Heemed oder werrn sè seregggeschùchd wie dè Siegfried Frank voo Nieder-Ohmen, den die Nadsies dann donnoch imgebroachd huh? Heasche Herbert voo Owenglie eas sè hirrn, äi voo senne Dechder, die Robin, on enner voo saine Enggel, dè Henry, die Ruth Stern voo Nieder-Ohme on dè Ernst Lothar Stern voo Diez oo dè Lahn.

Heute endet die deutsche Version unseres Podcasts „Jetzt fahren wir… Übersee!“.  Teil 6: Willkommen oder nicht willkommen? Eine bange Frage. Wie die Bedingungen der Einwanderung in die USA seit der Wende zum 20. Jahrhundert verschärft worden sind.  Ja, sie kommen, die müden, die Armen, die geknechteten Massen, die sich danach sehnen, frei zu atmen. Die Elenden, werden sie zurückgewiesen an den belagerten Küsten Nordamerikas?  Jüdische Flüchtlinge wie Siegfried Frank aus Nieder-Ohmen, den die Nazis dann doch noch in Auschwitz ermorden werden?  Herbert Sondheim aus Ober-Gleen ist zu hören, eine seiner Töchter, Robin Smolen, und einer seiner Enkel, Henry Smolen, Ruth Stern Gasten aus Nieder-Ohmen und Ernst Lothar Stern aus Diez an der Lahn.

Today we finish our podcast „Now we go Overseas“ in German with part 6: Welcome or not welcome? A fearful question. How the conditions of migrating in the U.S. have changed since the beginning of the 20th Century. Yes, they come, the tired, the poor, the huddled masses, yearning to breath free. Will they be turned back at the coasts of North America? Jewish refugees as Siegfried Frank of Nieder-Ohmen, a passenger of the „St. Louis“, who has been murdered by the Nazis in Auschwitz? Herbert Sondheim from Ober-Gleen is to be heard, one of his daughters, Robin Smolen, and his grandson Henry Smolen, Ruth Stern Gasten from Nieder-Ohmen (Livermore) and Ernst Lothar Stern from Diez upon the Lahn.

Unser Geschichtsverein Lastoria dankt allen ehrenamtlich Mitwirkenden in Deutschland und den USA, Profis und Laien. Außerdem der Ahnenforscherin Susan Eldridge, geborene Badenhausen, die an der englischen Version mitgearbeitet und in Connecticut Regie geführt hat, und allen anderen, auf deren Recherchen wir aufbauen konnten. Unser mehrteiliger Podcast wird auch in schriftlicher Form veröffentlicht und um ein Literaturverzeichnis ergänzt. Alle Rechte vorbehalten. Öffentliche Aufführung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung von Lastoria.

Best wishes, alles Gurre, alles Gute,

Pauls Monika

Eine weitere Küchentischproduktion unseres Geschichtsvereins Lastoria mit Laien und Profis, die sich alle ehrenamtlich beteiligen.   Konzept, Regie, Schnitt und Montage: Monika Felsing. Aufnahmen: Justus Randt, Monika Felsing und einzelne Sprecherinnen und Sprecher. Gelesen haben diesmal in der Reihenfolge des Podcasts: Burghard Bock, Bremen, und Monika Felsing, Bremen und Ober-Gleen,  Mustafa Kour, Bremen und Kobane (Syrien), Werner Landwehr, Bremen, Heinrich Lintze, Bremen und Uschlag, Eggert Peters, Bremen und Duisburg, Kritika Thapa, Bremen und Nepal, Monika Felsing, Bremen und Ober-Gleen, Regina Dietzold, Bremen, Barbara Schellhorn, Bremen, Thoralv Dunkel, Bremen, Christine Renken, Bremen, Karoline Lentz, Bremen, Annegret Merke, Bremen und Helgoland. Musik: „Es Kälbche“, oberhessischer Coversong von Monika Felsing zur Melodie des Klezmerstückes „Dos Kelbl“ von Sholom Secunda (1940), gesungen vom Projektchor des Benefizkonzerts zugunsten von „Reporter ohne Grenzen“ bei den Alsfelder Kulturtagen 2022 in Zusammenarbeit mit Walter Windisch-Laube von der Musikschule Alsfeld. Am Klavier: Veronika Bloemers. Mitgesungen haben unter anderem Hans-Peter Klein, Bianca Haarich, Arnulf Triebel, Helmut Meß, Elisabeth Wagner, Regina Weller, Peter Jerabeck, Claudia Munsch, Monika Felsing, Anna Thum und Rebekka Bachmann. Traditionelles Sabbatlied: Veronika Bloemers (Ober-Gleen/Frankfurt am Main) am Klavier. „Bulbes Song“, Kartoffellied: ukrainisches, jüdisches Lied, Yale Strom (San Diego) auf der Violine, Nikolai Muck (Frankfurt am Main) auf der Gitarre, 2017 in der ehemaligen Synagoge von Ober-Gleen. Improvisationen aus dem Klezmer-Workshop 2019 in der Villa Ichon, Bremen, unter der Leitung von Yale Strom (San Diego/USA): Clive Ford, Edna Eversmeier, Till Eversmeier und David Hodgkinson von „Cladatje”, Ortrud Staude, Burghard Bock von „Paradawgma“ und Thomas Stapke. Beethovens Piano Sonate Nummer 3, Opus 2, gespielt von Henry Smolen, einem Enkel von Herbert Sondheim aus Ober-Gleen. E Meening/An Opinion: Coversong von Monika Felsing auf zwei Hymnen.

 

 

 

Die Bicherfrää on dè Lääseraddefängger

Die Bicherfrää Gerlinde.

Ean Laurerbach gidd woas sè Enn, on woas annersch fängd oo: Die Gerlinde hadd ihrn Bùchloare vèkääfd. Ech huh err è Märche gewidmed – ihr on dè Berudda hieh ean Bremè on viele annern Waibsloid onn Mannsloid, die emm Lääseraddefängger droddse on Bùchläre om Läwe haan. On ausgezaichend werrn fier doas, woasse duh! Doas all gidd nit elläi. Wie sääd die Gerlinde: Merr brouchd è Doaf dèzu. Oder è Schdadd. On wu sè hier eas, hirrder eam Märche.

In Lauterbach geht etwas zu Ende, und etwas anderes beginnt: Gerlinde hat ihren Buchladen verkauft. Ich habe ihr ein Märchen gewidmet – ihr und Beruta hier in Bremen und vielen anderen Frauen und Männern, die dem Leserattenfänger trotzen und Buchläden am Leben halten. Und ausgezeichnet werden für ihr Engagement! Das alles geht nicht alein. Wie hat Gerlinde gesagt: Man braucht ein Dorf dazu. Oder eine Stadt. Und wo sie her ist, hört ihr im Märchen.

In Lauterbach, something’s ending, and something else begins: Gerlinde has sold her bookshop. I have dedicated a fairy tale to her – to her and to Beruta here in Bremen and all those others who stand the contest with Amazon and keep bookshops alive. And they won prizes for what they are doing. This isn’t something that you can do alone. As Gerlinde has said: It needs a village. Or a town. And you’ll learn in this fairy tale where she is from.

Alles Gurre, alles Gute, all the best,

Pauls Monika

P.S.: Die Töne am Anfang und am Ende kommen von meiner neuen Tongue Drum.

È poar Woadde:

Bùch – Buch, book. Bichelche – Büchlein, little book. Bicher – Bücher, books. Gedichdbändche – Gedichtbändche, little book of poems. Bicherfrää – Bücherfrau, book woman. Iaschdausgoawe – Erstausgabe, first edition. Fillosoffiebùch – Philophiebuch, a philosophy book. Bùchloare – Buchladen – bookshop. Reddur – Retoure, nach dem französischen Verb retourner, zurückschicken, something that is returned to the producer. Im Buchhandel auch Remittende genannt, nach dem lateinischen Verb remittere, zurückschicken. Owendoier – Abenteuer, adventure. Widde mo woas hirrn? – Willst du mal was hören? Do you want do hear something? Lääse – lesen, read. Lääseraddefängger – Leserattenfänger, let’s call him Amazon. Kannabee – Sofa, couch. Kääfe – kaufen, buy. Kant – Immanuel Kant, Philosoph der Aufklärung, philosopher. Gekaand – gekannt, known. Schbeerer – später, later. Die Ällsd – die Älteste, the oldest one. Es aale Babaier – Altpapier, old paper that is collected in order to recycle it. Koazze Hesse – Kurze Hessen, alte Handelsstraße zwischen Frankfurt am Main und Leipzig, old route through Hesse, used by merchands. Keannerbùch – Kinderbuch, children’s book. Bibo – althochdeutscher Name, very old German name and also…. enn gruuse gääle Vochel – ein großer gelber Vogel, a big yellow bird. Ein paar Besonderheiten: Waldkappell (Capella) ist der alte Name von Grebenau, das an der alten Handelsstraße „Kurze Hessen“ und dem Knotenweg liegt, nachzulesen auf der Website von Grebenau. Die Endung naha ist keltisch und bedeutet, zum Beispiel bei Ortsnamen: am fließenden Wasser. Wie bei Glenaha (Gleen). Und die Nachfolgerin von Gerline ist ein Owelabbe: Sie kommt aus Wallenrod. Das Dorf kommt ja nicht nur in ein paar Märchen, sondern auch in einem Coversong vor.

 

Es Woaschdmännche on die Liewe

Gidda, Fiddi, Ahle Woaschd. Die drai Schdechweadder hadd merr enner ean Bremè gesääd, der Eheloid ean Eschweeche kenne dudd, on ech huh merr woas doadèzu eanfann leasse. Friejer hodd merr dè Keann Aangsd med Geschichde voom Woaschdmännche gemoachd, awwer doas Märche hieh eas nit zèm Fiachde. Liewespärche huh sech ean dè Foffzecher on Sechzecher Botschafde med Briepmarge geschùchd, die sè mo sou on mo sou off die Briep geglääbd huh. Aach dodevoo eas woas dèbai. Nur, dess die Briepmarge Woaschdbenner ean ennerscheedliche Foarwe sai. Es Märche eas ennerscheedlech laut – doas hodd es Woaschdmännche gemoachd.

Gitta, Fiddi, Ahle Woaschd. Die drei Stichworte hat mir einer in Bremen gesagt, der ein Paar in Eschwege kennt, und ich habe mir etwas dazu einfallen lassen. Früher hat man den Kindern Angst mit Geschichten von einem Wurstmännchen gemacht, aber dieses Märchen hier ist nicht zum Fürchten. Liebespärchen haben sich in den Fünfzigern und Sechzigern Botschaften mit unterschiedlich platzierten Briefmarken geschickt. Auch davon ist etwas dabei. Nur, dass die Briefmarken verschieden farbige Wurstbänder sind. Die Lautstärke schwankt etwas – muss am Wurstmännchen liegen.

Gitta, Fiddi, Ahle Woaschd (a traditional sausage, a kind of Hessian salami). Someone in Bremen who knows a couple in Eschwege has provided me with these keywords, and that has inspired me. In former times, people have told kids stories of a tiny sausage man, to scare them, but this fairy tale is no horror story. And as lovebirds of the Fifties and Sixties have send messages by placing stamps in a certain way, this aspect is also included. The stamps, in fact, are sausage cords in different colors. The loudness varies – must be the sausage man’s black magic.

Es Lied eas nooch dè Melodie voo „Ein Loch ist im Eimer“.

Alles Gurre, alles Gute, all the best,

Pauls Monika

È poar Woadde:

Liewe – Liebe, love. Ahle Woaschd mächd Doaschd – Ahle Woaschd macht Durst, the special North Hessian sausage Ahle Woaschd makes you thirsty. Woaschdmännche – Wurstmännchen, sausage man. Kommt zum Beispiel auch im Mundartbuch „Verzolbchd“ von Doris Schmidt (zur 750-Jahr-Feier von Heimertshausen, die Autorin ist  Heimertshäuserin mit Vorfahren in Ober-Gleen) vor: als eine der Gruselgestalten, mit denen man Kindern Angst eingejagt hat. Wie mit dem Hoagemann (Hakenmann) oder der Kuh mit dem feurigen Schwanz (Kuh merrem foireche Schwaans), die Zeitzeuginnen aus unserem Ober-Gleen-Projekt erwähnt haben. Naut Schinnes – nichts Schönes, nothing nice. Ai, woas hosdèdè? – Na, was hast du denn? What’s up? Eemer – Eimer, bucket. Oarch kaald – sehr (arg) kalt, very cold. Zieh – Zähne, teeth. Es logg nit om Schonnschdäi – es lag nicht am Schornstein, it wasn’t about the chimney. Flaand – weinte, cried. Abee – Toilette, toilet. Die Misd – der Misthaufen, the dunghill. Woaschdkoaddel – Wurstkordel, sausage cord. Debberai – Töpferei, pottery. È Sai – ein Sieb, a sieve. Nit dèvoo äase – nicht davon essen, don’t eat something of that. Woaschdbaand – Wurstband, another kind of sausage cord. Grie – grün, green. Plo – blau, blue. Ruud – rot, red. Kiehl – kühl, chilly. Mächd naut – macht nichts, so what?! Doa gidd die Zaid rim – da geht die Zeit rum, this way, the time will pass. Gedärmd – eingebläut, instructed. Doas deaffd schegge – das dürfte reichen, this should be enough. Bevier ech mech offreech, easses merr liwwer woaschd – bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal, before I get into a rage, it’s rather all the same to me. Läwwerwoaschd – Leberwurst, liver sausage. Imso läwennicher schdannem der Doag vier Aache – umso lebendiger stand ihm der Tag vor Augen, the more lively his memory of this day was.

Eam Lechd voo dè Faggel voo dè Fraihääd

Haut gidd’s wärer memm Podcast: Dääl 5: Eam Lechd voo dè Faggel voo dè Fraihääd. Voo 1892 oo misse die, die ean die USA komme, off Ellis Island (die Insel hiss sou, es woar awwer nit dè Elli ihr) Froache voo Beamde beandwoadde. Enn Schurnalisd hodd’s offgeschreawwe, on mir huh’s vier Ouch gelääse. On vèzehn noch mieh Scheggsaale.

Heute geht es weiter mit dem Podcast:  Teil 5: Im Schein der Fackel von Lady Liberty. Ab 1892 müssen sich Einwanderinnen und Einwanderer auf Ellis Island den Fragen der Beamten stellen. Weitere Beiträge über die hessische Immigration in die USA vor allem ab dem späten 19. Jahrhundert, mit Kurzbiografien, Szenen einer zeitgenössischen Reportage des Reisejournalisten Heinrich Lemcke und mit Einblicken in die Immigrationspolitik.

Today we go on with the podcast: Part 5: In the Light of Lady Liberty’s Torch. How immigrants experienced their arrival on Ellis Island. From 1892 on, immigrants have to answer questions of  immigration officers. We learn more about life storys of Hessian migrants. Heinrich Lemcke, a German journalist, wrote about Ellis Island. His article was published in the „Gartenlaube“ in the 1890ies.

Eine weitere Küchentischproduktion unseres Geschichtsvereins Lastoria mit Laien und Profis, die sich alle ehrenamtlich beteiligen. Gelesen haben diesmal in der Reihenfolge des Podcasts: Monika Felsing,  Reinhard Jung, Friedhelm Blüthner,  Barbara Schellhorn, Thoralv Dunkel, Regina Dietzold, Karoline Lentz, Annegret Merke, Christine Renken und Helga Felsing. Musik:  Improvisationen von Yale Stroms Klezmer-Workshop 2019 in der Villa Ichon, Bremen, mit Clive Ford, Edna Eversmeier, Till Eversmeier und David Hodgkinson von “Cladatje”, Ortrud Staude, Burghard Bock und Thomas Stapke.

Ausblick: Am Samstag, 13. April, um 17 Uhr stellen wir unseren Podcast in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, in Bremen vor. Der Eintritt ist frei, Anmeldung erbeten, Spenden an unseren Geschichtsverein Lastoria willkommen. Außerdem wird oberhessische Musik zu hören sein.  In etwa zwei Wochen folgt Teil 6: Willkommen oder nicht willkommen? Eine bange Frage. Wie die Einwanderungsbestimmungen im Laufe der Zeit verschärft worden sind. Und das Ganze zum Nachlesen: Das deutsche und das englische Manuskript werden so bald wie möglich veröffentlicht.

Alles Gurre, alles Gute, all the best!

On viele Griese oo Moorsch Gudrun on Mellesch Christa!

Pauls Monika

Voon enner, die annern off die Erbs geang

Haut geddsemo è Märche off Pladd on Huuchdoidsch, è Geschichd, die è bess-che woas hodd voo dè Preansessin off dè Erbs, awwer aach vom „Verzaawerde April“ voo dè Elizabeth voo Arnim. On nadierlich medde Frieda Bigging voo Alsfeld ihr Briep on Offsädds ewwer die Schwalm. Doas Lied eas off die Melodie voo „Im Frühtau zu Berge“.

Heute gibt es einmal ein Märchen in Dialekt und Hochdeutsch, eine Geschichte, die ein bisschen was von der Prinzessin auf der Erbse hat, aber auch vom Roman „Verzauberter April“ von Elizabeth von Arnim. Und natürlich mit den Briefen und Aufsätzen von Frieda Bücking aus Alsfeld über die Schwalm. Das Lied ist ein Coversong zur Melodie „Im Frühtau zu Berge.

Today, there’s a fairy tale in dialect and High German, with relations to the fairy tale of the princess on the pea, but also of Elizabeth von Arnim’s „Enchanted April“. And  of course with the letters and articles of Frieda  Bücking from Alsfeld about the Schwalm region. The song  is a coversong on an old folksong.

Best wishes, alles Gurre, alles Gute!

Pauls Monika

 

 

Heemed feann voo deheem

Haut gidd’s wärer memm Podcast: Heemed feann voo deheem. Aus Auswannern weadd Eanwannern. Woas Hesseanne on Hesse bai die Geschichd voo dè USA voom 17. bes zèm 19. Joahrhonnerd baigedrah huh.

Heute geht es weiter mit dem Podcast: Heimat fern der Heimat. Aus Emigration wird Immigration. Wie Hessinnen und Hessen die Geschichte der USA vom 17. bis ins 19. Jahrhundert mitgeprägt haben.

Today we goon with the podcast: A home far away from home. Emigration becomes immigration. Hessians part in the history of the USA (17th-19th Century).

Eine weitere Küchentischproduktion unseres Geschichtsvereins Lastoria mit Laien und Profis, die sich alle ehrenamtlich beteiligen. Gelesen haben diesmal in der Reihenfolge des Podcasts: Erika Thies, Monika Felsing, Burghard Bock, Justus Randt, Friedrich Ganten, Mustafa Kour, Eggert Peters, Heinrich Lintze, Werner Landwehr und Kritika Thapa. Copyright: Lastoria e.V. Mit Musik, diesmal unter anderem Volksmusik aus Russland (Akkordeon), Laura Schneider und ihr Großvater, Panis Angelicus (1872), gesungen von Gabriele Gonder Carey. Komponist: César Franck. Am Klavier: Stephanie Puhl Young, Leiterin des Kirchenchores der Emanuel Evangelical Lutheran Church in La Habra (USA). „Mir sai all Geschwisder“, oberhessischer Coversong von Monika Felsing zur Melodie des Klezmerstückes „Ale Brider“, und „Ean dene donggle Zaire“, oberhessischer Coversong von Monika Felsing zur Melodie von „O mio babbino caro“ (Puccini), gesungen vom Projektchor des Benefizkonzerts zugunsten von „Reporter ohne Grenzen“ bei den Alsfelder Kulturtagen 2022 in Zusammenarbeit mit Walter Windisch-Laube von der Musikschule Alsfeld. Am Klavier: Veronika Bloemers. Mitgesungen haben unter anderem Hans-Peter Klein, Bianca Haarich, Arnulf Triebel, Helmut Meß, Elisabeth Wagner, Regina Weller, Peter Jerabeck, Claudia Munsch, Monika Felsing, Anna Thum und Rebekka Bachmann. „Tschau, Lina, tschau”, oberhessischer Coversong zu „Ciao, bella, ciao”, gesungen von Monika Felsing.

Ausblick: Wie heißen die letzten beiden Teile des in ehrenamtlicher Arbeit erstellten Podcasts „Jetzt fahrn wir… Übersee“ unseres Geschichtsvereins Lastoria, und worum geht es in den einzelnen Beiträgen?   Teil 5: Im Schein der Fackel von Lady Liberty. Ab 1892 müssen sich Einwanderinnen und Einwanderer auf Ellis Island den Fragen der Beamten stellen. Weitere Beiträge über die hessische Immigration in die USA vor allem ab dem späten 19. Jahrhundert, mit Kurzbiografien, Szenen einer zeitgenössischen Reportage des Reisejournalisten Heinrich Lemcke und mit Einblicken in die Immagrationspolitik. Teil 6: Willkommen oder nicht willkommen? Eine bange Frage. Wie die Einwanderungsbestimmungen im Laufe der Zeit verschärft worden sind. Und das Ganze zum Nachlesen: Das deutsche und das englische Manuskript werden so bald wie möglich veröffentlicht.

Alles Gurre, alles Gute, all the best – und fruè Uusdern!

Pauls Monika