Edds sai ech è Perl ean dè Kedd voo dè Laandkuldurperle on geschbannd wie enn Fliddsebooche, ob doa è poar naue Kondagde zeschdanne komme. Well sech gläich noch äis voo Ouch eanfädenn? On noch woas gedd’s – fier dè Kalenner: Voom 30. Ogdower bes 1. November eas Hessenmesse ean dè Hessehall ean Alsfeld, on dè Veräi „Region Vogelsberg“ eas dèbai, on es gedd aach woas sè gewinne. Naut wie hean!
Jetzt bin ich eine Perle in der Kette der Landkulturperlen und gespannt wie ein Flitzebogen, ob da ein paar neue Kontakte zustande kommen. Will sich gleich noch jemand von Euch einfädeln? Und noch etwas gibt es – für den Kalender: Vom 30. Oktober bis 1. November ist Hessenmesse in der Hessenhalle in Alsfeld, und der Verein „Region Vogelsberg“ ist dabei, und es gibt auch was zu gewinnen. Nichts wie hin!
Now I am to be found on the website of the Landkulturperlen and can’t wait to see how that will work out. Would you like to join in, too? And I’ve got something else for your calenner: There is a Hessian fair in Alsfeld next weekend. „Region Vogelsberg“ takes part, and there’s a chance to win something. Go ahead!
Dè Hainzemann kiehrd heem! Wer schuh moo eam Waald bai Iehringshause innerwägs woar, haddn velläichd gedroffe – oawwer äis hodd mai Märche voo 2024 geläse. Edds kenndersch aach eam Iehringshoiser Pladd hirrn! Die Krisdell hodd’s edds geläse. On ech froi mech!
Der Heenzemann kehrt heim! Wer schon mal im Wald bei Ehringshausen unterwegs war, hat ihn vielleicht getroffen – oder jemand hat mein Märchen von 2024 gelesen. Jetzt könnt Ihr es auch im Ehringshäuser Dialekt hören! Christel hat es jetzt gelesen. Und ich freu mich!
The Heenzemann returns! Whoever went walking in the woods near Ehringshausen, might have met him – or others might have read my fairy tale of 2024. Now you can listen to it in the dialect of Ehringshausen! Christel has made the recording now. And I’m glad about it!
Hieh gidd’s lang, diefer eam Blog, hier geht’s lang, tiefer im Blog, see here, deeper in my blog:
Im Freiwilligenzentrum Alsfeld: „Freeg dai Omma!“ Foto: Bettina Dören
Mir woarn eannerwägs, on es gedd allerhaand zè vèzeehn. Iaschdemo voo „Freeg dai Omma“, off Huuchdoidsch on Pladd. Die Christel woar doa, dè Harri, die Vero, dè Arnulf, dè Walter, die Bettina, dè Martin on è gaans Raih mieh. Enn schiene Noochmeddoag woar doas ean Alsfeld! Awwer läsd selwerd!
Wir waren unterwegs, und es gibt allerhand zu erzählen. Erst einmal von unserem Workhsop „Freeg dai Omma“, auf Hochdeutsch und im Dialekt. Christel war da, Harri, Vero, Arnulf, Walter, Bettina, Martin und eine ganze Reihe mehr. Ein schöner Nachmittag war das in Alsfeld. Aber lest selbst!
We have been abroad, and there’s a lot to tell. First of all about our workshop „Freeg dai Omma“ (Ask you granny), in High German and dialect. It has been a nice afternoon in Alsfeld.
Best wishes, alles Gurre, alles Gute,
Pauls Monika
Kartoffeln werden auch im Bett gar
Und Butter lässt sich mit Wasser kühlen: Wissen früherer Generationen hilft beim Umweltschonen und Sparen
Alsfeld. Als Marie in Elbenrod und Katharina in Strebendorf zur Welt kamen, gab es im Vogelsberg weder Wasserleitungen noch Strom. Dass irgendwann jeder Mensch in Deutschland jedes Jahr 74,5 Kilo Lebensmittel wegwerfen würde, hätten Hildegard aus Königsberg, Cläre aus Herne und Elena aus Syracus nicht geglaubt. Und Berta, Elise und Elisabeth aus Meiches, Breitenbach am Herzberg und Frischborn haben ganz bestimmt keine 60 neuen Kleidungsstücke pro Jahr gekauft. „Freeg dai Omma“, der Workshop unseres Geschichtsvereins Lastoria in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum Natur (AZN), war Frauen gewidmet, die nachhaltig gelebt haben.
Die Gesprächsrunde im Freiwilligenzentrum Alsfeld, die über die Förderung des Bildungsnetzwerks für Nachhaltige Entwicklung (BNE) Vogelsberg durch das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt unterstützt wurde, war ein kostenloses Angebot.
Bettina Dören (hinten rechts) kurz vor der Begrüßung der Gäste. Foto: MF
Bettina Dören vom AZN, dem Naturerlebnishaus Heideberg, Kirtorf, begrüßte anderthalb Dutzend Frauen und Männer aus Oberhessen, Osthessen und Frankfurt.
In der Kennenlernrunde habe ich nach den Vornamen und Geburtsjahren der Großmütter gefragt, und in einem Wortsammelspiel konnten zwei Generationen von Enkelkindern Punkte sammeln – wobei es für Mundart doppelt so viele gab wie für Dudendeutsch.
Welche Haushaltsutensilien brauchten keinen Strom? Das war die Ausgangsfrage. Foto: Bettina Dören
Welche Haushaltsutensilien und Küchengeräte ohne Strom haben Elisabeth, Katharina, Helene, Emma, Maria, Lina, Hedwig, Anna, Martha, Luise, Annemarie, Constanze, Trude oder Ilse aus Alsfeld, Ober-Gleen, Zell, Appenrod, Kelkheim, Öhringen, Oberheuslingen, Hannover, Lyck, Abterode und Waldshut-Tiengen genutzt? Auf Hochdeutsch, im Regiolekt und in verschiedenen hessischen Dialekten listeten die Teams auf, was ihnen einfiel: Abtropfsieb, Bärtche, Bensel, Biäse, Bläch, Böschde, Botzlompe, Dasse, Debbe, Deckmelchdopp, Deppelompe, Doseöffner, Eemer oder Iämer, Fleischwolf, Flotte Lotte, Gemüsehobel, Gowwel, Hähler, Holzlöffel, Humbe, Innerdasse oder Ingertasse, Kaffeekann, Kartoffelkiste, Kerwesch, Kibbche, Kirschenentsteiner, Kneipchen, Kombe, Kochtopp, Krautbütte, Krauthowwel, Kucheblech, Kwirl, Lappe, Lädder, Läffel, Lombe, Mässer, Melchkann, Musdopp, Nuul, Nuächtdebbe, Obdreckelduch, Owe, Owelappe, Pann, Passiersieb, Quetscheentkerner, Räche, Rouladennadeln, Salzdeppe, Schiäler, Schneebese, Schneidbrett, Seiche, Wäschbriät, Wellholz bis zur Zitronenpresse.
Ein Gefäß mit K? Kibbche. Worte in unterschiedlichen Dialekten brachten doppelt so viele Punkte. Foto: MF
Zu gewinnen gab es viele persönliche Erinnerungen an die Küchen der Kindheit und für die Teams mit den meisten Punkten auch Kernseife und Kaiser-Natron. Mit diesen beiden Klassikern aus dem Haushalt lässt sich die Umwelt schonen und gleichzeitig Geld sparen. Beispielsweise kann man damit Flüssigwaschmittel selbst herstellen: 35 Gramm Kernseife fein reiben, mit zwei Litern warmem Wasser, zwei Esslöffeln Natron oder einer Handvoll Natriumkarbonat (Waschsoda) vermischen, abkühlen lassen, 24 Stunden lang eindicken lassen, einen Liter kaltes Wasser dazu – fertig. Zum Waschen reichen zwei bis vier Esslöffel davon.
Viele solcher Rezepte lassen sich zu Hause, in der Schule oder im Kindergarten ausprobieren. Auch das Experiment aus der „Sendung mit der Maus“: In einem Schraubglas wird süße Sahne zwei Minuten geschüttelt, bis sie steif ist. Wer fleißig weiterschüttelt, erhält Butterklumpen und etwas Buttermilch. Man braucht kein Rührgerät, keinen Strom, aber es geht nicht ganz so schnell wie im Fernsehen. Meine Omma Lina hat ziemlich lange am Butterfass gesessen.
Die Butter aus dem Fass wurde geformt, mit Mustern verziert oder in einen Tonzylinder gefüllt, der in einen mit etwas Wasser gefüllten Tontopf gekippt wurde. Eine der beiden Großmütter von Anette von Haugwitz vom Verein Region Vogelsberg hatte so einen Butterkühler – und kam ihr Leben lang auch sonst ohne Kühlschrank aus.
In vielen Küchen in Deutschland aber haben spätestens seit den Sechzigerjahren immer mehr Elektrogeräte Einzug gehalten, begleitet von Plastik- und Silikonschüsseln, Mikrofasertüchern, Geschmacksverstärkern, Kochbeutelreis, Knödelpulver, Backmischungen und Fertiggerichten, die Hausfrauen das Leben einfacher machen und ihnen beim Zeitsparen helfen sollen. Ob nun Heißluftfritteuse oder Thermomix, Smoothie- oder Sandwichmaker, Toaster, Mixer oder Rührgerät, Espressomaschine oder elektrische Pfeffermühle, ob elektrisches Messer oder Pürierstab, Gasgrill oder Pizzaofen, Saftpresse oder Eierkocher, Spül-, Eis- oder Brotschneidemaschine, Mikrowelle oder Waffeleisen: Beim gemeinsamen Aufzählen kam einiges zusammen, auch vieles, das für teures Geld angeschafft, aber selten genutzt wird, manches, auf das niemand mehr verzichten möchte, und einiges, das kein Mensch braucht.
Nicht alles lässt sich einfach so ersetzen oder nachahmen, schon gar nicht der Geschmack der Kindheit. Vom „Riesderbruud“ schwärmte eine Enkelin, deren Großmutter Brotscheiben noch auf der Herdplatte geröstet hatte. Klimafreundlich war so ein mit Holz und Kohle geheizter Küchenherd nicht, aber er war vielfältig zu nutzen, wie die Küchenhexe, die auch als Kochmaschine beworben wurde.
Waschgeschirr im Museum Eschwege. Foto: MF
Ein Herd zum Kochen, Backen, Warmhalten, Aufwärmen, Rösten, Heizen, der heute in Heimatmuseen zu finden ist wie das Waschgeschirr aus dem großelterlichen Schlafzimmer – eine Schüssel, eine Kanne und eine Seifenschale.
Eine der schwersten Hausarbeiten war die Wäsche, vor allem in der Zeit, als wirklich schmutzige Hemden, Laken und Hosen an Waschplätzen im Freien gewaschen und ausgewrungen wurden und Weißwäsche auf einer Wiese zum Bleichen lag. Aber noch in den Sechzigern heizten Oberhessinnen den Waschkessel im Keller an und kochten Windeln in der Küche auf dem Herd aus.
Eine Wäschemangel aus stromlosen Zeiten, ausgestellt im Museum in Eschwege. Foto: MF
Nur zwischen Weihnachten und Neujahr war Wäschewaschen verboten, denn nach einem alten Aberglauben wäre sonst jemand aus der Familie gestorben. Und wer will schon daran schuld sein?Man kann schon verstehen, dass die Frauen an diesem Aberglauben festgehalten haben. Wenigstens eine Woche im Jahr garantiert ohne Wäsche! Das Mundartlied dazu habe ich als Enkelin von Lina und Hedwig zur Melodie der deutschen Nationalhymne getextet: „Wäsch mo, wäsch mo doas all hieh med dè Haand, dann weadd derr kloar, wurim die Wäschmaschie so’n baddende Eanfall woar…“
Falls der Strom heute einmal für einige Stunden ausfiele, würde eine andere in den 1960ern geborene Enkelin den Inhalt ihres Kühlschranks unter Daunendecken packen. Noch verbreiteter ist der Tipp, das Mittagessen im Bett warmzuhalten oder sogar zu garen. Auf der Website Klima Darmstadt wird beschrieben, wie es geht: Alles, was „auf kleiner Flamme“ köcheln soll, könne auch nach der „Oma-Methode“ zubereitet werden: „Das heißt, das Gericht kocht in der eigenen Wärme nach, indem man den Topf so gut isoliert, dass kaum Wärme verloren geht.“ Der Topf, so der Darmstädter Klimatipp, „sollte über die Hälfte mit Flüssigkeit gefüllt sein“. Nach kurzer Zeit auf dem Herd ab ins Bett mit den Kartoffeln oder dem Reis.
Frauen, die Mangelzeiten erlebt haben, waren immer darauf bedacht, nichts zu verschwenden und Vorräte anzulegen. Ob die eingeweckten Erdbeeren oder Birnen schmeckten oder auch nur ein einziges Vitamin enthielten und dass noch Marmelade und Gelee aus früheren Jahrzehnten im Keller stand, war nicht wichtig. Am Ende eines Sommers mussten sich die Regale mit den Gläsern biegen, und Schimmel war selten ein Grund, etwas wegzuwerfen. Gesund war das nicht. Und es hat auch nicht alles gut ausgesehen. Aber es war immer genug im Haus, um die Familie zu ernähren und jederzeit Gäste zu bewirten. Das zählte, besonders auf dem Land.
Klar wie Gliesbrieh ist für mich: Insè Ommas huh dè Miehwäg erfonne! Und zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ habe ich ein weiteres Lied gereimt und jetzt in Alsfeld ein paar Verse zur Ukulele gesungen:
Auf der Ukulele lassen sich oberhessische Coversongs begleiten. Foto: Bettina Dören
„Insè Resde huh merr friejer selwer gäasse, selwer gäasse, selwer gäasse, insè Resde huh merr friejer selwer gäasse, on woas ewwerech woar, die Hinggel on die Wudds. Insè Ommas huh naut foadgeschmeasse, geschmeeasse, geschmeasse, harre Eanmachgläser on harre es Wesse. Insè Ommas, die wiern bainoh haut noch doa!“
Wenn Omas etwas hatten, dann war das Zeit. In der Ruhe liegt die Kraft. Wie oft haben heute erwachsene Enkelkinder das von ihren Großmüttern gehört? Eins nach dem anderen erledigen und bei der Sache sein. Nebenbei Radio hören oder fernsehen, nebenbei telefonieren, das war nichts für viele Frauen ihrer Jahrgänge, die von kleinauf gearbeitet hatten.
Und weil ihre wichtigsten Werkzeuge ihre Hände waren, heißt auch einer meiner Coversongs, „Mai Hänn“ auf die Melodie von „My Girls“ von den Temptations: „Dè Sonnowed gieh ech ean die Kech on bagg Kuche, joa, dann riehrn sè sech. Doas sai mai Hänn, wail mai Hänn fast alles kenn! Mai Hänn, joa, das sai mai Hänn. Mai Hänn! Mai Hänn!“
Die Hände von Elfriede. Foto: MF
Mit ihren Händen hatten die Omas alles im Griff, haben sie vieles geordnet, geschaffen, kräftig zugelangt, vorsichtig nachgefühlt und Zutaten abgemessen – è Haffel ist schließlich eine gültige oberhessische Maßeinheit, auch wenn Hände unterschiedlich groß sind. Dank ihres Fingerspitzengefühls konnten die Omas abschätzen, wie viel Salz genug war, und nie und nimmer hätten sie Küchenpapier oder einen Tischstaubsauger genutzt, sondern das Sieb der Spüle doch einfach mit den Händen saubergemacht, die Krümel mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt. Mit der Hygiene haben sie es nicht übertrieben, auch der Gesundheit zuliebe. „Drägg fägd dè Moache“ pflegten sie zu sagen, wenn sich wieder mal ein Kind etwas in den Mund steckte, das unterm Tisch gelegen hatte. Gelassenheit, Humor und Selbstironie sind nachhaltig. So war an einer Küchentür vor Jahrzehnten der Spruch zu lesen: „Hier kann man vom Fußboden essen. Man findet immer etwas.“
Und wie nachhaltig waren die Frauen früher wirklich? Foto: MF
Und was ist vom Lebensgefühl der Großmütter geblieben? Spontan fielen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops vor allem Warnungen und Mahnungen ein. „Fechel, die se frieh peife, die holt de Hecht om Tog“, hieß es früher in Frischborn. Vögel, die zu früh pfeifen, die holt der Habicht am Tag. Eine andere Omma hatte davon abgeraten, sich zu früh zu freuen: „Aaach die gezeehlde Schoof fressd dè Wolf.“ Eine Eudorferin aus der Runde zitierte eine hessische Mundartband: „Es Läwe eas Gäwwe on Nomme….“ Wirklich praktisch war der Ratschlag: „Vonne geriehrd, brännd hinne nid oo.“ Und der AZN-Vorsitzende Martin Jatho hätte seiner Mutter gern selbst einen Rat gegeben: „Setz dich mal hin und genieße es.“ Für ihn ist klar: „Das können wir heute besser.“ Immerhin.
Nachzulesen ist einiges davon in Büchern des Geschichtsvereins Lastoria.
TIPPS UND TRICKS
1. Einkaufen: regional, zum Beispiel bei Anbietern von „Vogelsberg original“ und „Region Vogelsberg“, mit Tasche oder Korb. Nur so viel kaufen, wie man in absehbarer Zeit verwerten kann. Plastik vermeiden, Mehrwegglasflaschen bevorzugen, Flaschen und Gläser zum Wiederbefüllen mitbringen, Papiertüten von früheren Einkäufen oder Baumwollbeutel für loses Gemüse.
Aus der plastikfreien Zeit des Einkaufens und Haushaltens. Foto: MF
2. Bio? Logisch! Natron, Essig und Zitronensäure nehmen, Kernseife und Pümpel. Keine Mikrofasertücher! Keine Kaffeemaschinen – Handfiltern ist angesagt. Selber herstellen, was andere kaufen: Spülmittel (leere Spüliflasche zu zwei Dritteln mit heißem Wasser füllen, zwei Esslöffel flüssige Schmierseife hinzufügen, durchschütteln), gegen Schimmelpilze kann eine Mischung aus Zitronensaft und Weißweinessig helfen. Branntweinessig, in eine Sprühflasche gefüllt, eignet sich auch zum Entkalken, zum Putzen, zum Fixieren von Farben beim Waschen. Mit Essig halten Schnittblumen länger, in warmem Essig werden harte Pinsel wieder weich. Apfelessig (Mischung: ein Viertel Liter auf einen Liter Wasser) lässt als Spülung Haare glänzen, eignet sich als Gesichtswasser, als Unkrautvernichter, als Lockmittel für Obstfliegen, macht Fahrradreifen etwas rutschfester und vertreibt Gerüche. Es mit der Hygiene nicht übertreiben! Alter Spruch: „Dieses Haus ist sauber genug, um gesund zu sein, und schmutzig genug, um glücklich zu sein.“ Altpapier in den Papiermüll: wie die Zeitung, die früher, wenn sie ausgelesen war, in Streifen als Toilettenpapier auf dem Plumpsklo endete, zum Einwickeln von Fisch verwendet wurde, auch heute noch zum Basteln, zum Ausstopfen nasser Schuhe oder zum Polieren der geputzten Fenster, für streifenfreien Glanz. Aus leeren Briefumschlägen können Notizzettel werden. Bücher weitergeben. Leitungswasser statt Mineralwasser trinken. Sich beobachten und hinterfragen: Brauche ich das? Wie viel davon? Muss ich wirklich Küchenpapier nehmen? Wozu Duschgel, wenn es Seife gibt? Sogar die teurere Seife an der Kordel ist auf Dauer billiger als das Zeug aus der Plastikflasche.
3. Gesund? Alles frisch! Keine teuren, ungesunden Fertiggerichte kaufen. Kräuter und Wildkräuter verwenden! Wichtig: Schimmel vorbeugen und Lebensmittel richtig lagern, um die Haltbarkeit zu verlängern. Viele der als gesund vermarkteten modernen „Superlebensmittel“ lassen sich ganz einfach ersetzen: Chiasamen durch Leinsamen, Matcha-Tee durch Kamillen-, Löwenzahn- und Hagebuttentee, Goji-Beeren durch Schwarze Johannisbeeren, Macis-Beeren durch Heidelbeeren oder Sauerkirschen, Weizengras durch Brokkoli oder Grünkohl.
4. Reparieren, flicken, upcyceln, Lebensmittel retten: Alles Mögliche wiederverwerten, bis es fast zu Staub verfällt, einen entsprechenden Kurs bei der VHS belegen, sich zeigen lassen, wie man Löcher stopft, ins Repaircafé gehen, aus alten Sachen etwas basteln. Zero Waste (Null Müll) in der Küche: Das fängt beim Resteessen an. Die meisten Eintöpfe schmecken am nächsten Tag sowieso besser, und die Stärke in Kartoffeln ist dann auch bekömmlicher. Omas hatten früher außerdem ein Schwein, Hühner und einen Komposthaufen – dort landete, was Menschen nicht mehr verzehren konnten. Was von Festen übrigbleibt, wurde den Gästen mitgegeben oder in die Nachbarschaft getragen. Kleidungsstücke wurden innerhalb der Familie weitergegeben, unter anderem von Geschwistern. Alte Brötchen in Wasser tauchen und dann aufbacken, zu Paniermehl oder Croutons verarbeiten, in den Kaffee tunken oder einfach in eine Gemüsebrühe bröckeln – wie früher in die Woaschdsobb. „Altes Brot ist nicht hart, kein Brot, das ist hart“, mahnte manche Oma – in Italien wird mit reichlich Tomaten, Kräutern und Olivenöl ein leckerer Brotsalat daraus. Blattsalat wird wieder knackig, wenn er 10 bis 20 Minuten in Zuckerwasser gelegt wird. Schrumpelige Karotten und Kartoffeln kann man über Nacht in kaltes Wasser legen, Tomaten relativ kurz. Aus braunen Bananen kann man Bananenbrot backen. Kaffeesatz ist gut für Pflanzen, Nudelwasser auch, außerdem für die Haare (Conditioner, Haarkur), für Soßen und Suppen (wegen der Stärke), zum Geschirrspülen et cetera.
5. Dè saawerschde Schdrom eas der, den dè schboarsd, der sauberste Strom ist der, den du sparst. Einer der beiden Bierdeckelsprüche zu den 17 Punkten der Agenda 2030, mit denen der Ober-Gleener Dialekt 2020 hessenweit vertreten war. Bald darauf hat der Geschichtsverein Lastoria das Buch „08/18: Ein hessischer Beitrag zur Rettung der Welt“ von Monika Felsing herausgebracht mit vielen guten Beispielen. Oma-Tipps wären: Beim Verlassen eines Raumes: Licht aus! Früh ins Bett gehen. Die Restwärme eines Ofens oder Herdes nutzen, etwa um Wasser zu erhitzen. Kartoffeln kann man auch im Bett fertig garen oder Kochkisten nutzen, Haare nicht föhnen, sondern in der Sonne oder am Ofen sitzen nach dem Haarewaschen. Am besten wenig bügeln, Wäsche nicht heißer waschen als nötig, keinen Trockner benutzen, sondern Wäsche in Sonne und Wind trocknen, möglichst nicht staubsaugen, sondern kehren und Teppiche klopfen. Das Stand-by-Gerät der Omas? Ein Besen.
6. Sprit und Heizenergie sparen: Laufen, Bus und Bahn fahren, Mitfahrgelegenheiten nutzen und anbieten. Warm anziehen, wenige, gemeinsam genutzte Räume wohlig warm machen, sich kalt waschen, Wärmflasche oder heißen Ziegelstein ins Bett legen. Teppiche und dicke Gardinen halten die Wärme im Zimmer – wichtig ist, dass die Gardinen nicht über den Heizkörpern hängen. Auf dem Kohleherd stand früher immer ein Wasserkessel – wenn der Herd ohnehin an war, hatte man gleichzeitig immer heißes Wasser parat, und man sparte sich den Luftbefeuchter.
7. Zeit und Kraft sparen: Geschirr oder Wäsche (aber keine Wollsachen!) gut einweichen, anstatt hartnäckige Flecken mit der Küchenbürste oder bei der Handwäsche intensiv zu bearbeiten. Man kann also die Zeit für sich arbeiten lassen – und gleichzeitig Zeit sparen. Nie im Leerlauf: Wer das Stockwerk wechselte, nahm meist auch etwas mit nach oben oder unten. Andererseits: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Und jeder Gang macht schlank.
8. Wasser sparen: Wasser nicht sinnlos laufen lassen. Nicht täglich duschen oder Haare waschen. Warmduscherinnen und Warmduscher lassen das kalte Wasser, das anfangs aus dem Duschkopf kommt, in einen Eimer laufen und gießen damit entweder anschließend die Blumen oder spülen damit die Toilette. Auch das Wasser vom Gemüsewaschen kann aufgefangen und auf diese Weise noch einmal verwendet werden. In den Garten gehört eine Regentonne. Und auch für die Toilettenspülung gibt es Alternativen wie Regenwasser.
9. Auf sich selbst achten:Sich nicht verausgaben, Stress vermeiden, den Humor und die Lebensfreude nicht verlieren. Nicht mit jedem Trend, jeder Mode gehen, sondern seinen eigenen Stil finden. Nicht an der falschen Stelle sparen! Qualität vor Quantität, Haltbarkeit ist wichtig! Überflüssiges sein lassen. Entschleunigen. Nicht so viel aufschieben – auch das kostet letztlich Zeit und bringt dich dazu, Gewissensbisse oder eine echte Abneigung gegen das Aufgeschobene zu entwickeln. Nicht so viel nebenbei machen und sich nicht zu viel aufladen. Sich selbst annehmen, immer etwas dazulernen und offen bleiben.
10. Forschen, weitergeben und bewahren: Wer bin ich, wo komme ich her, wofür stehe ich? Das bleibt die nachhaltige Frage. Bei Oral-History-Projekten wie in Ober-Gleen geht es auch um Wurzeln, um Identität, Solidarität und Heimat, um persönliche Schicksale und politische oder wirtschaftliche Entwicklungen – um Erfahrung. Und die muss man weitergeben, wenn man sie bewahren will. Heute bedauern viele, dass ihre Enkelkinder keinen Dialekt mehr verstehen, schwaddse awwer aanid Pladd merren. Erzählkultur setzt Neugierde voraus – und die Fähigkeit, anderen zuzuhören.
Freegd auer Ommas! Und nehmt auf, was sie sagen. Von den Schwestern Anna und Lina, meiner Großtante und meiner Ober-Gleener Oma, gibt es leider keine Audios. Aber von vielen anderen aus unserem Ober-Gleen-Projekt. Am 15. November 2026 biete ich um 15 Uhr bei der VHS Vogelsberg einen kostenlosen digitalen Kurs dazu an.
Freegd die Aale, freegd die Keann, on freegd all dèzwesche! Freeg dai Omma, freeg denn Obba, freeg dai Mamme on denn Babbe, freeg dai Dande on denn Onggl, freeg dai Nochberrsche on ihr Froindeann, freeg Bekaande on Vèwaande… Aufzeichnungen sind unersetzlich, schriftliche, aber auch Audios, Fotos und Videos, wenn es darum geht, Wissen und Erfahrungen zu teilen.
11. Gemeinsames Engagement für Menschen- und Naturrechte, Kultur, Demokratie und Klimaschutz ist nachhaltig. Und auch wirtschaftlich hat es Sinn, sich mit anderen zusammenzutun: Genossenschaftsbanken und -betriebe stärken seit dem 19. Jahrhundert Verbraucherinnen und Verbraucher. Fast jedes Dorf hatte oder hat Back-, Wasch- und Gefrierhäuser, Maschinenringe, Einkaufsgemeinschaften, Dorfgemeinschaftshäuser und die inzwischen für die Artenvielfalt so wertvollen Streuobstwiesen. Heute werden unter anderem Werkstätten gemeinsam genutzt, Kartoffeläcker und Gärten gemeinsam bewirtschaftet. Gemeinsam ernten, mosten, bauen, basteln macht mehr Spaß, und alle können voneinander lernen: Wie macht man Feuer, wie geht man mit einer Axt oder einem Hammer, einer Nadel oder einer Sense um? Kann ich wie früher mit anderen gemeinsam fernsehen? Wem kann ich helfen? Wo finde ich Gleichgesinnte? Wie oder bei wem komme ich ins Internet? Praktische Solidarität, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft stärken die Einzelnen und die Gemeinschaft. Nicht zu vergessen: Geiz macht hässlich.
War Omas Haushalt nachhaltig? Doa kennder ouch è Kaddoffel droff penn!
Woas doas Beald soll, vèzehl ech ouch off Huuchdoidsch.
Was das Bild bedeuten soll, erzähle ich Euch heute auf Hochdeutsch.
What about that photo? I’ll tell you in High German.
Best wishes, alles Gurre, alles Gute!
Pauls Monika
FREEG DAI OMMA
In Oberhessen wurde früher eingemacht, wiederverwendet und aufgehoben, was das Zeug hielt. Der Müll eines ganzen Dorfes passte in eine Grube am Ortsrand, und wenn sie voll war, wurde am anderen Ende des Dorfes eine neue ausgehoben. Was kaputt ging, wurde repariert oder gestopft. „Upcycling“ hieß damals „Umarbeiten“, und viele Mütter, Tanten und Großmütter waren in Notzeiten ganz groß darin, aus Nichts etwas zu machen. Um Nachhaltigkeit im Alltag früher, heute und morgen geht es im Geschichts- und Zukunftsworkshop „Freeg dai Omma“ (Frag deine Oma) – mit Mundart, Musik und Mitmachtipps – am Sonntag, 4. Oktober 2026, 15 bis 17 Uhr, im Freiwilligenzentrum Alsfeld, Volkmarstraße 3. Ich halte ihn in Zusammenarbeit mit dem AZN (Naturerlebnishaus Heideberg).
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können eigenes Wissen und Erinnerungen einbringen und Tipps zusammenstellen, die sich leicht umsetzen lassen: Was können wir beim Einkaufen, Putzen oder Kochen fürs Klima, für den Umweltschutz und für unsere Gesundheit tun? Welche Tricks von Oma und Opa haben sich bewährt? Wie macht Energiesparen Spaß und wie, bitte, heißt Durchlaufbegrenzer im Dialekt?
Omas Haushalt war nachhaltig. „Doa kennder ouch è Kaddoffel droff penn! Und gepellt werden Kartoffeln in Oberhessen natürlich mit einem Kneipchen (Knäibche), einem kleinen Schälmesser.
„Insè Ommas huh dè Miehwääg erfonne“ heißt einer meiner etwa 300 Coversongs. Auch die 17 Punkte der Agenda 2030, des Weltzukunftsvertrages, habe ich ins Owengliejer Pladd übersetzt und Beispiele für Nachhaltigkeit in Hessen in einem ihrer Bücher („08/18: Ein hessischer Beitrag zur Rettung der Welt“) zusammengetragen.
Der Workshop kann eine Anregung sein, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu befassen, was den Umgang mit Ressourcen angeht, und das eigene Verhalten zu hinterfragen. Gemeinsam gesammelte Tipps für den Haushalt, fürs Einkaufen oder für die Freizeit können von Familien, Landfrauen- und Heimatvereinen, Schulklassen, Kindergarten-, Konfirmanden-, Klima- und Naturschutzgruppen ausprobiert und weiterentwickelt werden. Manches Oma-Wissen ist moderner denn je. Und was ist nachhaltiger als Mundart?
Anmeldungen sind bis 30. September möglich unter mail@lastoria-bremen.de. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden werden erbeten. Der Workshop wird vom Geschichtsverein Lastoria e.V. in Kooperation mit dem AZN – Naturerlebnishaus Heideberg e.V. – durchgeführt und im Rahmen der Förderung des BNE-Netzwerks Vogelsberg durch das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt unterstützt.
Es woar werre mo è Buch, doas wolld geschreawwe werrn. On doa sai sè: 42 naue Märche. On werre off Pladd on off Huuchdoidsch, zwie Bicher med Geschichde, voom Wolfgang gezauwerd. Des Orichinaal huh ech memm Babbe, emm Kall, gewidmed, on es huuchdoidsche Bùch menner Mamme, dè Helga. On sou sai ean demm enne Bùch Bealder voom Kall drean on ean demm annern Bealder voo dè Helga. Awwer guggd’s ouch oo and lääsd. Werre mo.
Aach dissmo deaffe sè nid fehn: die Bremer Schdaddmussikaande.
Es war wieder einmal ein Buch, das wollte geschrieben werden. Und da sind sie: 42 neue Märchen. Und wieder im Dialekt und auf Hochdeutsch, zwei Bücher mit Geschichten, von Wolfgang gezaubert. Das Original habe ich meinem Papa, Karl, gewidmet, und das hochdeutsche Buch meiner Mama, Helga. Und so sind in dem einen Buch Bilder von Karl und in dem anderen Bilder von Helga. Aber seht und lest. Wieder einmal.
Once more upon a time, there was a book that wanted to be written. And here they are: 42 new fairy tales. In dialect and in High German, as usual. Two books with short stories, layouted by Wolfgang. I have dedicated the original to my dad, Karl, and the High German version to my mum, Helga. Therefore there are photos of Karl in one of the books and of Helga in the other one. But see and read. Once more.
Woas gedd’s fier Loid off deere Weald! Ech well käi Noome nenn, awwer merr fann è poar ean, Naidhammel, wie sè krisser nid sai kennde. Naid eas die Pest. On doa gedd’s Meddel dègeeche.
Was gibt’s für Leute auf dieser Welt! Ich will keine Namen nennen, aber mir fallen ein paar ein, Neidhammel, wie sie größer nicht sein könnten. Neid ist die Pest. Und dagegen gibt es Mittel.
What kind of people are on this world! I don’t want to mention names, but I think of some, greedy people, as they couldn’t be bigger. Greed is the pest. And there are remedies against it.
Best wishes, alles Gurre, alles Gute!
Pauls Monika
È poar Woadde:
Haut gedd’s èmo käi. Heute gibt es mal keine. Today, there’s no vocabulary.
Ewwer die äifache Loid mache sech annern Loid joa geann sou ihr Gedaangge. On feann donnaut raus. Es eas nit sou äifach, äifache Loid sè vèschdieh.
Über die einfachen leute machen sich andere Leute ja gerne so ihre Gedanken. Und finden doch nichts heraus. Es ist nicht so einfach, einfache Leute zu verstehen.
What are simple people? Some people think about that much and still can’t tell. It isn’t easy to understand simple people.
Best wishes, alles Gute, alles Gurre,
Pauls Monika
È poar Woadde:
Äifach – einfach, schlicht, auch in gutem Sinn. Simple, but also decent. Aald Noischier – Alte Neugierige. Curious person. Mit aald (alt) werden Schimpf- und Spottworte abgemildert. Kwellkaddoffenn, Gekwellde. Quellkartoffeln, Pellkartoffeln, potatoes, cooked in their skin. Woas eas derr dann? Was ist dir denn? Was ist denn mit dir? What’s up? On schdaddsd off on dreggdn Kobb. Stampfte auf und drückte einen Kopf. Das dürfte dann ein Motzkopf gewesen sein. Stumped with her feet and made an insulted face. Wisaasche. Nach dem französischen Wort visage, das aber im Dialekt und auch im Hochdeutschen eher abwertend gemeint ist, weshalb es in Hessen keine Wissaaschisde gibt. Birjermeesdersche. Frau Bürgermeisterin, die Frau des Bürgermeisters, the wife of the mayor. Woarn es baal ores, hatten es bald satt, waren es bald leid. They were soon fed up with it. Howwerbraai. Haferbrei. Porridge.
Es woar èmo, eam Joahr zwuudausechonveazzeh, doa woar mo werre Hailechowend eannem kläine Doaf eam Vochelsberch. On die Loid sai dè Owend ean die Keach on huh sech ean die Bängk gesassd on sech sou waihnoachdlech gefiehld, wie merr sech nor die Krissdoag fiehn kann. È Moadder on è Dochder woarn doa, dene woarsch annerschd ims Heazz wie sossd oo sou emm Doag. Die wossde, es selld es lessde Moo sai, desse die Krissdoag ean deere Keach seddse deere, inner Loid, die sè all kaande.
On die Dochder sass doa ean dè Keach, on die Moadder sass doa, on die annern Loid sasse doa, schdeggeschdäif weeche dè Käll, on die Porrern koom rean on haddse all geseechend on gesääd, desses diss Moo gaans annerschder werrn selld wie sossd. Dè Aldar woar geschmiggd, doas schuh, es Dribbdichon schdann doa med dè hailech Familje on dè haileche drai Keeniche onnem Esel onnem Oggs on dè Schäfer on dè Schoaf on wer sossd noch dèbai gehirrd. Voo dè Degg voo dè Keach deed enn gruuse Schdeann hängge on loichde, on dè Krissbaam woar sou huuch, desser baal bes oo die Keachedegg geang. On die Orjel woar geschdimmd, on dè Koor schdann poroad, on è Mädche on ihrn Obba harres Akkordjon dèbai. On all, die doa woarn, harren Zerrel kreeje, off demm schdann, woasses all zè säih on zè hirrn gobb on wer wann oo dé Raih woar.
„Gummo, doa schdidd goar naut voo Schdelle Noachd“, sääd die Dochder lais werre ihr Moadder, die aach ihrn Zerrel schdudiern deed. „Doas glääb ech nid“, sääd die Moadder, „doas kann nid gèsai.“ Awwer die Dochder woar sech sicher. Alles anner schdann joa aach off dè Lisd. Doas Lied konndese nid vègäasse huh.
On’s geang luus, on die Loid huh è Lied gesongge, on die Porrern hodd geschwassd, on dann huh dè Obba on sai Engglche offem Akkordeon è schie Lied geschbield. On dann deed die Porrern è Preering haan, on dann deed dè Koor gèseangge, on es Lichd geang als oo on aus, on all huh off die Lisd geguggd on off ihrn Eansadds gewoadd. Drai Lirrer doafdese sesomme seangge, die Loid, dann woar dè Goddesdinnsd aus. „Orjelschbiel zèm Nausgieh“, schdann offem Zerrel, on die Orjel deed schbien, awwer käis deed nausgieh. Die Loid sasse doa wie die Eelgeddse.
„Huh ech’s derr nid gesääd“, sääd die Dochder. Die Moadder wolld’s nid woahrhuh on hodd off doas Lied gewoadd, besses Lechd oogeang. Die Orjel deed kenn Muggs mieh mache. Dè Orjelschbieler woar offgeschdanne on wolld die Dräbb nobb, hill awwer nommo oo, wie wann heh woas vègäasse hädd. Merr hädd è Schdeggnull fann hirrn kenn, sou schdell woarsch off äimo ean dè Keach. Käis schdigg off. Niddemo gehussd huh die, die alsèmo hussde deere oawwer enn Krammel eam Haals harre. Es woar, wie wann käis mieh oadme deed.
Dè Dochder lisses kai Ruh. Es woarn die lessde Krissdoag ean ihrm Doaf, denn ihr Ellernhaus woar vèkaafd. On Hailechowend uhne doas Lied, doas dèbei gehirrn deed wie die Keazze offen Baam? Die Porrern, die om Haileche Owend èmo alles annerschder mache wolld, woar groad dèbai, alles kabudd sè mache, woas med Waihnoachde sè duh hadd. Irjendwoas mussd bassiern, on schweann, awwer woas bluus? Woas kannsde mache, ean enner Keach, uhne dech bes off die Knoche sè blamiern? Bevier sè noch laangk simmeliern konnd, hoarrd sè sech gaans laut saa, desses all hirrn konnde, aach die off dè schlächde Blädds: „Winn merr nid noch Schdelle Noachd gèseangge? Dessdeweeche sai merr doch hergekomme!“
On die Porrern hodd geschduddsd, on dè Orjelschbieler aach. Sie gobbem è Zaiche, on heh geang seregg oo die Orjel on hodd sè werre zèm Kleangge gebroachd. On all, die doa woarn, deere seangge, woas oo kemm Hailechowend fehn doafd: „Schdelle Noachd, haileche Noachd, all duh sè schloofe, gaans elläi dudd bluus es draude, huuchhaileche Poar offbasse. Siss Bobbelche memm loggiche Hoar, schloaf ean hemmlischer Ruh! Schloaf ean hemmlischer Ruh! Schdelle Noachd, haileche Noachd, emm Gott senn Sohn, oo, wie dudd he lache, lieb aus saim geddleche Mund, wie ins schloo dudd die reddend‘ Schdonn. Krissd, ean denner Geboadd! Krissd, ean denner Geboadd! Schdelle Noachd, haileche Noachd, die Hiadde huh’s iaschd medkreeje weeche dè Enggel ihrm Halleluja. Es woar zè hirrn voo feann on noah. Krissd, dè Reddder, eas doa! Krissd, dè Reddder, eas doa!“
On wie’s Lied aus woar, sai die Loid offgeschdanne on nausgegangge ean die hailech Noachd. Aach die Moadder on die Dochder. Die liff wie off Wolge. Ihr Waihnoachde wier bainoh vèluurn gewäse on woar geredd.
Als Weihnachten beinah verloren war
Es war einmal, im Jahr zweitausendundvierzehn, da war mal wieder Heiligabend in einem kleinen Dorf im Vogelsberg. Und die Leute sind abends in die Kirche und haben sich in die Bänke gesetzt und sich so weihnachtlich gefühlt, wie man sich nur an den Christtagen fühlen kann. Eine Mutter und eine Tochter waren da, denen war es anders ums Herz als sonst an so einem Tag. Sie wussten, es sollte das letzte Mal sein, dass sie an Heiligabend in dieser Kirche saßen, unter Leuten, die sie alle kannten.
Und die Tochter saß da in der Kirche, und die Mutter saß da, und die anderen Leute saßen da, stocksteif wegen der Kälte, und die Pfarrerin kam herein und segnete sie alle und verkündete, dass es diesmal ganz anders werden sollte als sonst. Der Altar war geschmückt, das schon, das Triptychon stand da mit der heiligen Familie und den heiligen drei Königen und einem Esel und einem Ochsen und den Schäfern und den Schafen und wer sonst noch dazugehörte. Von der Decke hing ein großer Stern und leuchtete, und der Christbaum war so hoch, dass er fast bis an die Kirchendecke reichte. Und die Orgel war gestimmt, und der Chor stand parat, und ein Mädchen und ihr Großvater hatten das Akkordeon dabei. Und alle, die da waren, hatten Zettel bekommen, auf denen stand, was es alles zu sehen und zu hören gab und wer wann an der Reihe war.
„Schau mal, da steht gar nichts von Stille Nacht“, sagte die Tochter leise zu ihrer Mutter, die auch ihren Zettel studierte. „Das glaube ich nicht“, sagte die Mutter, „das kann nicht sein.“ Aber die Tochter war sich sicher. Alles andere stand ja auch auf der Liste. Das Lied konnten sie nicht vergessen haben.
Und es ging los, und die Leute sangen ein Lied, und die Pfarrerin sprach, und dann haben der Großvater und seine Enkelin auf dem Akkordeon ein schönes Lied gespielt. Und dann hielt die Pfarrerin eine Predigt, und dann sang der Chor, und das Licht ging andauernd an und aus, und alle sahen sie auf ihre Liste und warteten auf ihren Einsatz. Drei Lieder durften sie gemeinsam singen, dann war der Gottesdienst aus. „Orgelspiel zum Hinausgehen“, stand auf dem Zettel, und die Orgel spielte, aber niemand ging hinaus. Die Leute saßen da wie die Ölgötzen.
„Hab ich’s dir nicht gesagt“, sagte die Tochter. Die Mutter wollte es nicht wahrhaben und wartete auf das Lied, bis das Licht anging. Die Orgel machte keinen Mucks mehr. Der Orgelspieler war aufgestanden und wollte die Treppe hinunter, hielt aber noch einmal an, als ob er etwas vergessen hätte. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still war es auf einmal in der Kirche. Niemand stand auf. Nicht einmal gehustet haben die, die manchmal husteten oder einen Frosch im Hals hatten. Es war, als ob niemand mehr atmete.
Der Tochter ließ es keine Ruhe. Es waren die letzten Christtage in ihrem Dorf, denn ihr Elternhaus war verkauft worden. Und Heiligabend ohne das Lied, das dazu gehörte wie die Kerzen auf den Baum? Die Pfarrerin, die an Heiligabend einmal alles anders machen wollte, war gerade dabei, alles zu zerstören, was mit Weihnachten zu tun hatte. Irgendwas musste passieren, und schnell, aber was bloß? Was kannst du machen in einer Kirche, ohne dich bis auf die Knochen zu blamieren? Bevor sie noch lange darüber nachdenken konnte, hörte sie sich ganz laut sagen, dass sie es alle hören konnten, auch die auf den schlechten Plätzen: „Wollen wir nicht noch Stille Nacht singen? Deswegen sind wir doch hergekommen!“
Und die Pfarrerin stutzte, und der Orgelspieler auch. Sie gab ihm ein Zeichen, und er ging zurück an seine Orgel und brachte sie wieder zum Klingen. Und alle, die da waren, sangen, was an keinem Heiligen Abend fehlen durfte: „Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht nur das traute, hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh! Schlaf in himmlischer Ruh! Stille Nacht, heilige Nacht, Gottes Sohn, o wie lacht, lieb aus seinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund. Christ, in deiner Geburt! Christ, in deiner Geburt! Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht. Durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter, ist da! Christ, der Retter, ist da!“
Und als das Lied aus war, sind die Leute aufgestanden und hinausgegangen in die Heilige Nacht. Auch die Mutter und die Tochter. Die lief wie auf Wolken. Ihr Weihnachten wäre beinah verloren gewesen und war gerettet.
P.S.: Heiligabend 2014 liegt lange zurück, und dass es nur von den anderen Liedern dieses Abends Aufnahmen gibt, nicht aber von „Stille Nacht“, macht es zu einem ganz besonderen, unvergessenen Moment. An Heiligabend 2025 bringt der HR2 von 15 bis 18 Uhr eine Sendung mit Gedichten von Hörerinnen und Hörern, gelesen von Profis. Eins von meinen ist auch dabei – und vermutlich auf Hochdeutsch. Ich lasse mich überraschen.