Dè Hainzemann kiehrd heem! Wer schuh moo eam Waald bai Iehringshause innerwägs woar, haddn velläichd gedroffe – oawwer äis hodd mai Märche voo 2024 geläse. Edds kenndersch aach eam Iehringshoiser Pladd hirrn! Die Krisdell hodd’s edds geläse. On ech froi mech!
Der Heenzemann kehrt heim! Wer schon mal im Wald bei Ehringshausen unterwegs war, hat ihn vielleicht getroffen – oder jemand hat mein Märchen von 2024 gelesen. Jetzt könnt Ihr es auch im Ehringshäuser Dialekt hören! Christel hat es jetzt gelesen. Und ich freu mich!
The Heenzemann returns! Whoever went walking in the woods near Ehringshausen, might have met him – or others might have read my fairy tale of 2024. Now you can listen to it in the dialect of Ehringshausen! Christel has made the recording now. And I’m glad about it!
Hieh gidd’s lang, diefer eam Blog, hier geht’s lang, tiefer im Blog, see here, deeper in my blog:
Im Freiwilligenzentrum Alsfeld: „Freeg dai Omma!“ Foto: Bettina Dören
Mir woarn eannerwägs, on es gedd allerhaand zè vèzeehn. Iaschdemo voo „Freeg dai Omma“, off Huuchdoidsch on Pladd. Die Christel woar doa, dè Harri, die Vero, dè Arnulf, dè Walter, die Bettina, dè Martin on è gaans Raih mieh. Enn schiene Noochmeddoag woar doas ean Alsfeld! Awwer läsd selwerd!
Wir waren unterwegs, und es gibt allerhand zu erzählen. Erst einmal von unserem Workhsop „Freeg dai Omma“, auf Hochdeutsch und im Dialekt. Christel war da, Harri, Vero, Arnulf, Walter, Bettina, Martin und eine ganze Reihe mehr. Ein schöner Nachmittag war das in Alsfeld. Aber lest selbst!
We have been abroad, and there’s a lot to tell. First of all about our workshop „Freeg dai Omma“ (Ask you granny), in High German and dialect. It has been a nice afternoon in Alsfeld.
Best wishes, alles Gurre, alles Gute,
Pauls Monika
Kartoffeln werden auch im Bett gar
Und Butter lässt sich mit Wasser kühlen: Wissen früherer Generationen hilft beim Umweltschonen und Sparen
Alsfeld. Als Marie in Elbenrod und Katharina in Strebendorf zur Welt kamen, gab es im Vogelsberg weder Wasserleitungen noch Strom. Dass irgendwann jeder Mensch in Deutschland jedes Jahr 74,5 Kilo Lebensmittel wegwerfen würde, hätten Hildegard aus Königsberg, Cläre aus Herne und Elena aus Syracus nicht geglaubt. Und Berta, Elise und Elisabeth aus Meiches, Breitenbach am Herzberg und Frischborn haben ganz bestimmt keine 60 neuen Kleidungsstücke pro Jahr gekauft. „Freeg dai Omma“, der Workshop unseres Geschichtsvereins Lastoria in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum Natur (AZN), war Frauen gewidmet, die nachhaltig gelebt haben.
Die Gesprächsrunde im Freiwilligenzentrum Alsfeld, die über die Förderung des Bildungsnetzwerks für Nachhaltige Entwicklung (BNE) Vogelsberg durch das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt unterstützt wurde, war ein kostenloses Angebot.
Bettina Dören (hinten rechts) kurz vor der Begrüßung der Gäste. Foto: MF
Bettina Dören vom AZN, dem Naturerlebnishaus Heideberg, Kirtorf, begrüßte anderthalb Dutzend Frauen und Männer aus Oberhessen, Osthessen und Frankfurt.
In der Kennenlernrunde habe ich nach den Vornamen und Geburtsjahren der Großmütter gefragt, und in einem Wortsammelspiel konnten zwei Generationen von Enkelkindern Punkte sammeln – wobei es für Mundart doppelt so viele gab wie für Dudendeutsch.
Welche Haushaltsutensilien brauchten keinen Strom? Das war die Ausgangsfrage. Foto: Bettina Dören
Welche Haushaltsutensilien und Küchengeräte ohne Strom haben Elisabeth, Katharina, Helene, Emma, Maria, Lina, Hedwig, Anna, Martha, Luise, Annemarie, Constanze, Trude oder Ilse aus Alsfeld, Ober-Gleen, Zell, Appenrod, Kelkheim, Öhringen, Oberheuslingen, Hannover, Lyck, Abterode und Waldshut-Tiengen genutzt? Auf Hochdeutsch, im Regiolekt und in verschiedenen hessischen Dialekten listeten die Teams auf, was ihnen einfiel: Abtropfsieb, Bärtche, Bensel, Biäse, Bläch, Böschde, Botzlompe, Dasse, Debbe, Deckmelchdopp, Deppelompe, Doseöffner, Eemer oder Iämer, Fleischwolf, Flotte Lotte, Gemüsehobel, Gowwel, Hähler, Holzlöffel, Humbe, Innerdasse oder Ingertasse, Kaffeekann, Kartoffelkiste, Kerwesch, Kibbche, Kirschenentsteiner, Kneipchen, Kombe, Kochtopp, Krautbütte, Krauthowwel, Kucheblech, Kwirl, Lappe, Lädder, Läffel, Lombe, Mässer, Melchkann, Musdopp, Nuul, Nuächtdebbe, Obdreckelduch, Owe, Owelappe, Pann, Passiersieb, Quetscheentkerner, Räche, Rouladennadeln, Salzdeppe, Schiäler, Schneebese, Schneidbrett, Seiche, Wäschbriät, Wellholz bis zur Zitronenpresse.
Ein Gefäß mit K? Kibbche. Worte in unterschiedlichen Dialekten brachten doppelt so viele Punkte. Foto: MF
Zu gewinnen gab es viele persönliche Erinnerungen an die Küchen der Kindheit und für die Teams mit den meisten Punkten auch Kernseife und Kaiser-Natron. Mit diesen beiden Klassikern aus dem Haushalt lässt sich die Umwelt schonen und gleichzeitig Geld sparen. Beispielsweise kann man damit Flüssigwaschmittel selbst herstellen: 35 Gramm Kernseife fein reiben, mit zwei Litern warmem Wasser, zwei Esslöffeln Natron oder einer Handvoll Natriumkarbonat (Waschsoda) vermischen, abkühlen lassen, 24 Stunden lang eindicken lassen, einen Liter kaltes Wasser dazu – fertig. Zum Waschen reichen zwei bis vier Esslöffel davon.
Viele solcher Rezepte lassen sich zu Hause, in der Schule oder im Kindergarten ausprobieren. Auch das Experiment aus der „Sendung mit der Maus“: In einem Schraubglas wird süße Sahne zwei Minuten geschüttelt, bis sie steif ist. Wer fleißig weiterschüttelt, erhält Butterklumpen und etwas Buttermilch. Man braucht kein Rührgerät, keinen Strom, aber es geht nicht ganz so schnell wie im Fernsehen. Meine Omma Lina hat ziemlich lange am Butterfass gesessen.
Die Butter aus dem Fass wurde geformt, mit Mustern verziert oder in einen Tonzylinder gefüllt, der in einen mit etwas Wasser gefüllten Tontopf gekippt wurde. Eine der beiden Großmütter von Anette von Haugwitz vom Verein Region Vogelsberg hatte so einen Butterkühler – und kam ihr Leben lang auch sonst ohne Kühlschrank aus.
In vielen Küchen in Deutschland aber haben spätestens seit den Sechzigerjahren immer mehr Elektrogeräte Einzug gehalten, begleitet von Plastik- und Silikonschüsseln, Mikrofasertüchern, Geschmacksverstärkern, Kochbeutelreis, Knödelpulver, Backmischungen und Fertiggerichten, die Hausfrauen das Leben einfacher machen und ihnen beim Zeitsparen helfen sollen. Ob nun Heißluftfritteuse oder Thermomix, Smoothie- oder Sandwichmaker, Toaster, Mixer oder Rührgerät, Espressomaschine oder elektrische Pfeffermühle, ob elektrisches Messer oder Pürierstab, Gasgrill oder Pizzaofen, Saftpresse oder Eierkocher, Spül-, Eis- oder Brotschneidemaschine, Mikrowelle oder Waffeleisen: Beim gemeinsamen Aufzählen kam einiges zusammen, auch vieles, das für teures Geld angeschafft, aber selten genutzt wird, manches, auf das niemand mehr verzichten möchte, und einiges, das kein Mensch braucht.
Nicht alles lässt sich einfach so ersetzen oder nachahmen, schon gar nicht der Geschmack der Kindheit. Vom „Riesderbruud“ schwärmte eine Enkelin, deren Großmutter Brotscheiben noch auf der Herdplatte geröstet hatte. Klimafreundlich war so ein mit Holz und Kohle geheizter Küchenherd nicht, aber er war vielfältig zu nutzen, wie die Küchenhexe, die auch als Kochmaschine beworben wurde.
Waschgeschirr im Museum Eschwege. Foto: MF
Ein Herd zum Kochen, Backen, Warmhalten, Aufwärmen, Rösten, Heizen, der heute in Heimatmuseen zu finden ist wie das Waschgeschirr aus dem großelterlichen Schlafzimmer – eine Schüssel, eine Kanne und eine Seifenschale.
Eine der schwersten Hausarbeiten war die Wäsche, vor allem in der Zeit, als wirklich schmutzige Hemden, Laken und Hosen an Waschplätzen im Freien gewaschen und ausgewrungen wurden und Weißwäsche auf einer Wiese zum Bleichen lag. Aber noch in den Sechzigern heizten Oberhessinnen den Waschkessel im Keller an und kochten Windeln in der Küche auf dem Herd aus.
Eine Wäschemangel aus stromlosen Zeiten, ausgestellt im Museum in Eschwege. Foto: MF
Nur zwischen Weihnachten und Neujahr war Wäschewaschen verboten, denn nach einem alten Aberglauben wäre sonst jemand aus der Familie gestorben. Und wer will schon daran schuld sein?Man kann schon verstehen, dass die Frauen an diesem Aberglauben festgehalten haben. Wenigstens eine Woche im Jahr garantiert ohne Wäsche! Das Mundartlied dazu habe ich als Enkelin von Lina und Hedwig zur Melodie der deutschen Nationalhymne getextet: „Wäsch mo, wäsch mo doas all hieh med dè Haand, dann weadd derr kloar, wurim die Wäschmaschie so’n baddende Eanfall woar…“
Falls der Strom heute einmal für einige Stunden ausfiele, würde eine andere in den 1960ern geborene Enkelin den Inhalt ihres Kühlschranks unter Daunendecken packen. Noch verbreiteter ist der Tipp, das Mittagessen im Bett warmzuhalten oder sogar zu garen. Auf der Website Klima Darmstadt wird beschrieben, wie es geht: Alles, was „auf kleiner Flamme“ köcheln soll, könne auch nach der „Oma-Methode“ zubereitet werden: „Das heißt, das Gericht kocht in der eigenen Wärme nach, indem man den Topf so gut isoliert, dass kaum Wärme verloren geht.“ Der Topf, so der Darmstädter Klimatipp, „sollte über die Hälfte mit Flüssigkeit gefüllt sein“. Nach kurzer Zeit auf dem Herd ab ins Bett mit den Kartoffeln oder dem Reis.
Frauen, die Mangelzeiten erlebt haben, waren immer darauf bedacht, nichts zu verschwenden und Vorräte anzulegen. Ob die eingeweckten Erdbeeren oder Birnen schmeckten oder auch nur ein einziges Vitamin enthielten und dass noch Marmelade und Gelee aus früheren Jahrzehnten im Keller stand, war nicht wichtig. Am Ende eines Sommers mussten sich die Regale mit den Gläsern biegen, und Schimmel war selten ein Grund, etwas wegzuwerfen. Gesund war das nicht. Und es hat auch nicht alles gut ausgesehen. Aber es war immer genug im Haus, um die Familie zu ernähren und jederzeit Gäste zu bewirten. Das zählte, besonders auf dem Land.
Klar wie Gliesbrieh ist für mich: Insè Ommas huh dè Miehwäg erfonne! Und zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ habe ich ein weiteres Lied gereimt und jetzt in Alsfeld ein paar Verse zur Ukulele gesungen:
Auf der Ukulele lassen sich oberhessische Coversongs begleiten. Foto: Bettina Dören
„Insè Resde huh merr friejer selwer gäasse, selwer gäasse, selwer gäasse, insè Resde huh merr friejer selwer gäasse, on woas ewwerech woar, die Hinggel on die Wudds. Insè Ommas huh naut foadgeschmeasse, geschmeeasse, geschmeasse, harre Eanmachgläser on harre es Wesse. Insè Ommas, die wiern bainoh haut noch doa!“
Wenn Omas etwas hatten, dann war das Zeit. In der Ruhe liegt die Kraft. Wie oft haben heute erwachsene Enkelkinder das von ihren Großmüttern gehört? Eins nach dem anderen erledigen und bei der Sache sein. Nebenbei Radio hören oder fernsehen, nebenbei telefonieren, das war nichts für viele Frauen ihrer Jahrgänge, die von kleinauf gearbeitet hatten.
Und weil ihre wichtigsten Werkzeuge ihre Hände waren, heißt auch einer meiner Coversongs, „Mai Hänn“ auf die Melodie von „My Girls“ von den Temptations: „Dè Sonnowed gieh ech ean die Kech on bagg Kuche, joa, dann riehrn sè sech. Doas sai mai Hänn, wail mai Hänn fast alles kenn! Mai Hänn, joa, das sai mai Hänn. Mai Hänn! Mai Hänn!“
Die Hände von Elfriede. Foto: MF
Mit ihren Händen hatten die Omas alles im Griff, haben sie vieles geordnet, geschaffen, kräftig zugelangt, vorsichtig nachgefühlt und Zutaten abgemessen – è Haffel ist schließlich eine gültige oberhessische Maßeinheit, auch wenn Hände unterschiedlich groß sind. Dank ihres Fingerspitzengefühls konnten die Omas abschätzen, wie viel Salz genug war, und nie und nimmer hätten sie Küchenpapier oder einen Tischstaubsauger genutzt, sondern das Sieb der Spüle doch einfach mit den Händen saubergemacht, die Krümel mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt. Mit der Hygiene haben sie es nicht übertrieben, auch der Gesundheit zuliebe. „Drägg fägd dè Moache“ pflegten sie zu sagen, wenn sich wieder mal ein Kind etwas in den Mund steckte, das unterm Tisch gelegen hatte. Gelassenheit, Humor und Selbstironie sind nachhaltig. So war an einer Küchentür vor Jahrzehnten der Spruch zu lesen: „Hier kann man vom Fußboden essen. Man findet immer etwas.“
Und wie nachhaltig waren die Frauen früher wirklich? Foto: MF
Und was ist vom Lebensgefühl der Großmütter geblieben? Spontan fielen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops vor allem Warnungen und Mahnungen ein. „Fechel, die se frieh peife, die holt de Hecht om Tog“, hieß es früher in Frischborn. Vögel, die zu früh pfeifen, die holt der Habicht am Tag. Eine andere Omma hatte davon abgeraten, sich zu früh zu freuen: „Aaach die gezeehlde Schoof fressd dè Wolf.“ Eine Eudorferin aus der Runde zitierte eine hessische Mundartband: „Es Läwe eas Gäwwe on Nomme….“ Wirklich praktisch war der Ratschlag: „Vonne geriehrd, brännd hinne nid oo.“ Und der AZN-Vorsitzende Martin Jatho hätte seiner Mutter gern selbst einen Rat gegeben: „Setz dich mal hin und genieße es.“ Für ihn ist klar: „Das können wir heute besser.“ Immerhin.
Nachzulesen ist einiges davon in Büchern des Geschichtsvereins Lastoria.
TIPPS UND TRICKS
1. Einkaufen: regional, zum Beispiel bei Anbietern von „Vogelsberg original“ und „Region Vogelsberg“, mit Tasche oder Korb. Nur so viel kaufen, wie man in absehbarer Zeit verwerten kann. Plastik vermeiden, Mehrwegglasflaschen bevorzugen, Flaschen und Gläser zum Wiederbefüllen mitbringen, Papiertüten von früheren Einkäufen oder Baumwollbeutel für loses Gemüse.
Aus der plastikfreien Zeit des Einkaufens und Haushaltens. Foto: MF
2. Bio? Logisch! Natron, Essig und Zitronensäure nehmen, Kernseife und Pümpel. Keine Mikrofasertücher! Keine Kaffeemaschinen – Handfiltern ist angesagt. Selber herstellen, was andere kaufen: Spülmittel (leere Spüliflasche zu zwei Dritteln mit heißem Wasser füllen, zwei Esslöffel flüssige Schmierseife hinzufügen, durchschütteln), gegen Schimmelpilze kann eine Mischung aus Zitronensaft und Weißweinessig helfen. Branntweinessig, in eine Sprühflasche gefüllt, eignet sich auch zum Entkalken, zum Putzen, zum Fixieren von Farben beim Waschen. Mit Essig halten Schnittblumen länger, in warmem Essig werden harte Pinsel wieder weich. Apfelessig (Mischung: ein Viertel Liter auf einen Liter Wasser) lässt als Spülung Haare glänzen, eignet sich als Gesichtswasser, als Unkrautvernichter, als Lockmittel für Obstfliegen, macht Fahrradreifen etwas rutschfester und vertreibt Gerüche. Es mit der Hygiene nicht übertreiben! Alter Spruch: „Dieses Haus ist sauber genug, um gesund zu sein, und schmutzig genug, um glücklich zu sein.“ Altpapier in den Papiermüll: wie die Zeitung, die früher, wenn sie ausgelesen war, in Streifen als Toilettenpapier auf dem Plumpsklo endete, zum Einwickeln von Fisch verwendet wurde, auch heute noch zum Basteln, zum Ausstopfen nasser Schuhe oder zum Polieren der geputzten Fenster, für streifenfreien Glanz. Aus leeren Briefumschlägen können Notizzettel werden. Bücher weitergeben. Leitungswasser statt Mineralwasser trinken. Sich beobachten und hinterfragen: Brauche ich das? Wie viel davon? Muss ich wirklich Küchenpapier nehmen? Wozu Duschgel, wenn es Seife gibt? Sogar die teurere Seife an der Kordel ist auf Dauer billiger als das Zeug aus der Plastikflasche.
3. Gesund? Alles frisch! Keine teuren, ungesunden Fertiggerichte kaufen. Kräuter und Wildkräuter verwenden! Wichtig: Schimmel vorbeugen und Lebensmittel richtig lagern, um die Haltbarkeit zu verlängern. Viele der als gesund vermarkteten modernen „Superlebensmittel“ lassen sich ganz einfach ersetzen: Chiasamen durch Leinsamen, Matcha-Tee durch Kamillen-, Löwenzahn- und Hagebuttentee, Goji-Beeren durch Schwarze Johannisbeeren, Macis-Beeren durch Heidelbeeren oder Sauerkirschen, Weizengras durch Brokkoli oder Grünkohl.
4. Reparieren, flicken, upcyceln, Lebensmittel retten: Alles Mögliche wiederverwerten, bis es fast zu Staub verfällt, einen entsprechenden Kurs bei der VHS belegen, sich zeigen lassen, wie man Löcher stopft, ins Repaircafé gehen, aus alten Sachen etwas basteln. Zero Waste (Null Müll) in der Küche: Das fängt beim Resteessen an. Die meisten Eintöpfe schmecken am nächsten Tag sowieso besser, und die Stärke in Kartoffeln ist dann auch bekömmlicher. Omas hatten früher außerdem ein Schwein, Hühner und einen Komposthaufen – dort landete, was Menschen nicht mehr verzehren konnten. Was von Festen übrigbleibt, wurde den Gästen mitgegeben oder in die Nachbarschaft getragen. Kleidungsstücke wurden innerhalb der Familie weitergegeben, unter anderem von Geschwistern. Alte Brötchen in Wasser tauchen und dann aufbacken, zu Paniermehl oder Croutons verarbeiten, in den Kaffee tunken oder einfach in eine Gemüsebrühe bröckeln – wie früher in die Woaschdsobb. „Altes Brot ist nicht hart, kein Brot, das ist hart“, mahnte manche Oma – in Italien wird mit reichlich Tomaten, Kräutern und Olivenöl ein leckerer Brotsalat daraus. Blattsalat wird wieder knackig, wenn er 10 bis 20 Minuten in Zuckerwasser gelegt wird. Schrumpelige Karotten und Kartoffeln kann man über Nacht in kaltes Wasser legen, Tomaten relativ kurz. Aus braunen Bananen kann man Bananenbrot backen. Kaffeesatz ist gut für Pflanzen, Nudelwasser auch, außerdem für die Haare (Conditioner, Haarkur), für Soßen und Suppen (wegen der Stärke), zum Geschirrspülen et cetera.
5. Dè saawerschde Schdrom eas der, den dè schboarsd, der sauberste Strom ist der, den du sparst. Einer der beiden Bierdeckelsprüche zu den 17 Punkten der Agenda 2030, mit denen der Ober-Gleener Dialekt 2020 hessenweit vertreten war. Bald darauf hat der Geschichtsverein Lastoria das Buch „08/18: Ein hessischer Beitrag zur Rettung der Welt“ von Monika Felsing herausgebracht mit vielen guten Beispielen. Oma-Tipps wären: Beim Verlassen eines Raumes: Licht aus! Früh ins Bett gehen. Die Restwärme eines Ofens oder Herdes nutzen, etwa um Wasser zu erhitzen. Kartoffeln kann man auch im Bett fertig garen oder Kochkisten nutzen, Haare nicht föhnen, sondern in der Sonne oder am Ofen sitzen nach dem Haarewaschen. Am besten wenig bügeln, Wäsche nicht heißer waschen als nötig, keinen Trockner benutzen, sondern Wäsche in Sonne und Wind trocknen, möglichst nicht staubsaugen, sondern kehren und Teppiche klopfen. Das Stand-by-Gerät der Omas? Ein Besen.
6. Sprit und Heizenergie sparen: Laufen, Bus und Bahn fahren, Mitfahrgelegenheiten nutzen und anbieten. Warm anziehen, wenige, gemeinsam genutzte Räume wohlig warm machen, sich kalt waschen, Wärmflasche oder heißen Ziegelstein ins Bett legen. Teppiche und dicke Gardinen halten die Wärme im Zimmer – wichtig ist, dass die Gardinen nicht über den Heizkörpern hängen. Auf dem Kohleherd stand früher immer ein Wasserkessel – wenn der Herd ohnehin an war, hatte man gleichzeitig immer heißes Wasser parat, und man sparte sich den Luftbefeuchter.
7. Zeit und Kraft sparen: Geschirr oder Wäsche (aber keine Wollsachen!) gut einweichen, anstatt hartnäckige Flecken mit der Küchenbürste oder bei der Handwäsche intensiv zu bearbeiten. Man kann also die Zeit für sich arbeiten lassen – und gleichzeitig Zeit sparen. Nie im Leerlauf: Wer das Stockwerk wechselte, nahm meist auch etwas mit nach oben oder unten. Andererseits: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Und jeder Gang macht schlank.
8. Wasser sparen: Wasser nicht sinnlos laufen lassen. Nicht täglich duschen oder Haare waschen. Warmduscherinnen und Warmduscher lassen das kalte Wasser, das anfangs aus dem Duschkopf kommt, in einen Eimer laufen und gießen damit entweder anschließend die Blumen oder spülen damit die Toilette. Auch das Wasser vom Gemüsewaschen kann aufgefangen und auf diese Weise noch einmal verwendet werden. In den Garten gehört eine Regentonne. Und auch für die Toilettenspülung gibt es Alternativen wie Regenwasser.
9. Auf sich selbst achten:Sich nicht verausgaben, Stress vermeiden, den Humor und die Lebensfreude nicht verlieren. Nicht mit jedem Trend, jeder Mode gehen, sondern seinen eigenen Stil finden. Nicht an der falschen Stelle sparen! Qualität vor Quantität, Haltbarkeit ist wichtig! Überflüssiges sein lassen. Entschleunigen. Nicht so viel aufschieben – auch das kostet letztlich Zeit und bringt dich dazu, Gewissensbisse oder eine echte Abneigung gegen das Aufgeschobene zu entwickeln. Nicht so viel nebenbei machen und sich nicht zu viel aufladen. Sich selbst annehmen, immer etwas dazulernen und offen bleiben.
10. Forschen, weitergeben und bewahren: Wer bin ich, wo komme ich her, wofür stehe ich? Das bleibt die nachhaltige Frage. Bei Oral-History-Projekten wie in Ober-Gleen geht es auch um Wurzeln, um Identität, Solidarität und Heimat, um persönliche Schicksale und politische oder wirtschaftliche Entwicklungen – um Erfahrung. Und die muss man weitergeben, wenn man sie bewahren will. Heute bedauern viele, dass ihre Enkelkinder keinen Dialekt mehr verstehen, schwaddse awwer aanid Pladd merren. Erzählkultur setzt Neugierde voraus – und die Fähigkeit, anderen zuzuhören.
Freegd auer Ommas! Und nehmt auf, was sie sagen. Von den Schwestern Anna und Lina, meiner Großtante und meiner Ober-Gleener Oma, gibt es leider keine Audios. Aber von vielen anderen aus unserem Ober-Gleen-Projekt. Am 15. November 2026 biete ich um 15 Uhr bei der VHS Vogelsberg einen kostenlosen digitalen Kurs dazu an.
Freegd die Aale, freegd die Keann, on freegd all dèzwesche! Freeg dai Omma, freeg denn Obba, freeg dai Mamme on denn Babbe, freeg dai Dande on denn Onggl, freeg dai Nochberrsche on ihr Froindeann, freeg Bekaande on Vèwaande… Aufzeichnungen sind unersetzlich, schriftliche, aber auch Audios, Fotos und Videos, wenn es darum geht, Wissen und Erfahrungen zu teilen.
11. Gemeinsames Engagement für Menschen- und Naturrechte, Kultur, Demokratie und Klimaschutz ist nachhaltig. Und auch wirtschaftlich hat es Sinn, sich mit anderen zusammenzutun: Genossenschaftsbanken und -betriebe stärken seit dem 19. Jahrhundert Verbraucherinnen und Verbraucher. Fast jedes Dorf hatte oder hat Back-, Wasch- und Gefrierhäuser, Maschinenringe, Einkaufsgemeinschaften, Dorfgemeinschaftshäuser und die inzwischen für die Artenvielfalt so wertvollen Streuobstwiesen. Heute werden unter anderem Werkstätten gemeinsam genutzt, Kartoffeläcker und Gärten gemeinsam bewirtschaftet. Gemeinsam ernten, mosten, bauen, basteln macht mehr Spaß, und alle können voneinander lernen: Wie macht man Feuer, wie geht man mit einer Axt oder einem Hammer, einer Nadel oder einer Sense um? Kann ich wie früher mit anderen gemeinsam fernsehen? Wem kann ich helfen? Wo finde ich Gleichgesinnte? Wie oder bei wem komme ich ins Internet? Praktische Solidarität, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft stärken die Einzelnen und die Gemeinschaft. Nicht zu vergessen: Geiz macht hässlich.